Lagerfeuer im Survival-Training – sichtbare Technik als Spitze des Eisbergs der Überlebensfähigkeit

Newsletter

 

Jeden Donnerstag ein Survival-Irrtum und eine Aufgabe für draußen.

Ich schreibe dir, was viele für richtig halten, was Normen, Vorschriften und Studien dazu sagen, und was du in dieser Woche draußen tust.

Rund fünf Minuten Lesezeit. Für alle, die Survival lernen wollen, auch ohne Vorkenntnisse.

Zum Einstieg schicke ich dir über 13 Tage das Starter Kit: vier Feldaufträge und eine Auswertung.

Starter Kit Anmeldung

Was jeden Donnerstag kommt

 
  1. Der Irrtum

    Was viele für richtig halten. Oft beginnt die Ausgabe mit einer echten Szene: ein eigener Fehler, eine Beobachtung aus einem Kurs, ein dokumentiertes Ereignis.

  2. Was belegt ist

    Was Normen, Vorschriften, Studien und Zahlen dazu sagen.

  3. Die Aufgabe

    Etwas, das du in dieser Woche draußen tust. Entweder eine Übung in drei Stufen, die dritte unter erschwerter Bedingung: Regen, die schwache Hand, nach einem Marsch.

    Oder eine Prüfung an deiner eigenen Ausrüstung. Im Wald, im Park, vor deiner Tür.

Der Rucksack ist das Erste, was weg ist

Maurice Ressel an dichDo., 8. Okt., 06:00

… Was die Nacht braucht, sind Wärme, Wetterschutz, Feuer und Licht. Bei den meisten liegt alles davon im Rucksack. Der steht aber am Rastplatz, liegt im Auto oder kentert mit dem Kanu.

Die Überlebensvorschrift der US Army fasst die Regel in wenigen Sätzen. Das Notfall-Set wird in Schichten getragen: das Wichtigste am Körper, weniger Wichtiges an der Trageausrüstung, Sperriges im Rucksack. Karte und Kompass, heißt es dort, bleiben immer am Körper (FM 3-05.70, 2002).

Übung

Stufe eins, der Einstieg. Tageslicht, trockenes Wetter. Trag den versiegelten Rucksack fünfzig Schritte weg. …

Stufe zwei, der Maßstab. Eine Stunde, Start bei Sonnenuntergang. …

Stufe drei, die Eskalation. Eine Bedingung ist kaputt: Der Rucksack ist wirklich weg. …

— Maurice

Maurice Ressel · Wildnisschule Lupus · Abmelden

Gekürzter Ausschnitt aus der Ausgabe vom 8. Oktober 2026. Eine ganze Ausgabe lesen

Diese Art zu lehren heißt Die Innere Ausrüstung, und so heißt auch der Newsletter.

Fisch, Wurzeln und Wildpilze auf Holzbrett am Lagerfeuer — Nahrungsgewinnung im Survival Training der Wildnisschule Lupus

Aus den bisherigen Ausgaben

 
  • „Zwei Drittel durch, und sie bewegt sich“
  • „Das Wasser sah gut aus. War es nicht.“
  • „Bei Sturm reicht eine Baumlänge nicht“
  • „Sie zielte genau. Das war der Fehler.“
Eine Ausgabe lesen: „Das Wasser sah gut aus. War es nicht.“

Das Wasser sah gut aus. War es nicht.

Maurice Ressel an dichDo., 30. Juli 2026, 06:00

Hallo du,

Das Wasser lief klar über hellen Sand und eiszeitlichen Kies. Herbst, die Schwärze bei Eberswalde, unterhalb eines Prallufers, an dem die Erlen ihre freigespülten Wurzelteller in die Strömung hängen. Ich war mit zwei anderen unterwegs, den ganzen Tag zu Fuß. Das Lager für die Nacht stand noch nicht.

Die Flasche war seit dem Nachmittag leer. Unter Last schwitzt der Körper auch bei zehn Grad.

Die Regel kenne ich seit fünfundzwanzig Jahren. Ich unterrichte sie. Aus einem Oberflächengewässer wird nicht getrunken, bevor es aufbereitet ist.

Ich habe trotzdem den Becher genommen, ihn unter die Oberfläche gehalten und getrunken. Zweimal. Das Wasser war kalt, um die zehn Grad, und schmeckte nach nassem Laub. Erdig, weich, nicht faulig. Nichts daran wirkte falsch. Die Strömung stand kräftig, der Grund war hell, das Laub trieb oben und nicht darunter.

Später am Abend zog die Kaltluft von den Feldern in den Talgrund. Über dem Wasser stand Dunst, das Wasser blieb wärmer als die Luft.

Ein paar Tage danach lag ich flach. Es hat eine Weile gedauert, bis das vorbei war.

Was ich bis heute nicht sagen kann: wann es angefangen hat. Ob zwischen dem Becher und dem ersten Tag im Bett acht Stunden lagen oder vier Tage. In meiner Erinnerung stehen die beiden Dinge nicht nebeneinander.

Klares Wasser über hellem Sand, und trotzdem falsch.

Die Regel war nicht das Problem. Sie war da, sie war bekannt, sie war meine eigene. Durst widerlegt eine Regel nicht, er überstimmt sie.

Der Fehler steckt in ihrer Form. Eine Regel bietet im Moment der Entscheidung genau eine Möglichkeit an, und die heißt Verzicht. Wer durstig an einem klaren Bach steht, hat damit nichts in der Hand. Verzicht ist keine Handlung. Er ist das Ausbleiben einer Handlung.

Nützlich ist an dieser Stelle etwas anderes. Nicht eine Regel, sondern eine Kette mit mehreren Gliedern, und an jedem Glied eine Entscheidung, die getroffen werden kann.

Trinkbares Wasser ist eine Frage der Größe.

Drei Erregerklassen kommen in mitteleuropäischen Fließgewässern vor. Protozoen-Zysten wie Giardia und Cryptosporidium messen vier bis zwölf Mikrometer. Bakterien wie Campylobacter liegen bei zwei Zehnteln bis drei Mikrometern. Viren wie Norovirus bei siebenundzwanzig bis vierzig Nanometern.

Ein Filter ist ein Sieb. Er hält zurück, was größer ist als seine Pore, und lässt alles darunter durch. Der übliche Hohlfaserfilter mit 0,1 Mikrometer absoluter Porenweite hält Bakterien und Zysten zuverlässig. Norovirus ist rund hundertmal kleiner als diese Pore. Es geht ungehindert hindurch.

Die Chemie hat die umgekehrte Lücke. Chlor und Jod erledigen Bakterien und Viren. An Cryptosporidium scheitern sie, die Oozyste hat eine Hülle, an der diese Mittel abprallen. Chlordioxid kommt durch, braucht in kaltem Wasser aber rund vier Stunden Kontaktzeit. Kälte verdoppelt die Zeit. Trübung zehrt das Mittel auf, bevor es die Erreger erreicht.

Abkochen hat keine Lücke. Eine Minute sprudelnd reicht, oberhalb von zweitausend Metern sind es drei. Die zehn Minuten, die überall stehen, stammen aus keiner Vorschrift.

Auf das Wort „absolut“ kommt es an. „Nominal“ heißt nur, dass der Durchschnitt der Poren dort liegt. Größere sind dabei.

Der Rest erklärt den Zeitverzug. Giardia braucht meist sieben bis zehn Tage bis zum Ausbruch, Campylobacter zwei bis fünf. Bis die Symptome da sind, hat der Verstand längst das Essen verantwortlich gemacht. Deshalb lernt kaum jemand aus diesem Fehler, auch nicht beim zweiten Mal.

Fließend und klar senkt die Wahrscheinlichkeit. Eine Aufbereitung ist es nicht.

Was der eigene Filter leistet, steht selten auf dem Gehäuse.

Übung

Erst prüfst du, was dein Gerät nicht kann. Dann das Verfahren, das ohne Gerät trägt.

Schlag die Porenweite deines Filters nach. Steht sie nicht drauf, such das Datenblatt. Notiere, ob dort „absolut“ oder „nominal“ steht, und was er nicht entfernt. „Meets US EPA Guide Standard“ oder „NSF Protocol P231“ heißt: auch Viren. „Laborgeprüft“ heißt nichts.

Such die Kontaktzeit deiner Tabletten für kaltes und trübes Wasser. Nicht die Zahl auf der Vorderseite.

Dann der Blasentest. Spül drei Liter durch, bis alle Fasern nass sind, halt den Auslass unter Wasser und drück Luft durch die Membran. Steigen dauerhaft feine Blasen aus einer festen Stelle auf, ist eine Faser gebrochen. Der Filter kommt in den Müll.

Beurteile drei Entnahmestellen, bevor du eine anfasst. Sieh dir zweihundert Meter flussaufwärts an: Weide, Siedlung, Zufluss, Biberstau. Schreib die Beurteilung auf, dann entscheide. Brich ab bei Kadaver im Ufer, bei Algenblüte, bei einem Schaumfilm, der beim Aufstören nicht in kantige Plättchen zerreißt.

Schöpf mit dem Becher unter der Oberfläche, mit Abstand zum Uferschlamm. Kläre durch dicht gewebtes Tuch oder lass absetzen und gieß die klare Phase ab. Dosiere, schüttle, öffne den Verschluss eine halbe Umdrehung, dreh die Flasche um und drück behandeltes Wasser über die Gewindegänge. Dort sitzt das Rohwasser, das dir sonst beim Trinken in den Mund läuft. Erst danach verschließen, erst danach läuft die Uhr. Dann trink.

Drei Marken prüfst du: Eine Druckzeile hinter der gefüllten Flasche muss scharf lesbar sein. Nach der Kontaktzeit muss ein schwacher Chlorgeruch da sein, sonst hat die organische Last das Mittel aufgezehrt. Beim Kochen müssen große Blasen ununterbrochen aufsteigen.

Ob die Erreger weg sind, misst du im Feld nicht. Die Sicherheit kommt aus der Ausführung, nicht aus dem Eindruck.

Sicherheit. Für Schwangere, kleine Kinder, immungeschwächte und chronisch magen-darm-kranke Personen gilt Abkochen, sonst nichts. Schöpfen mit dem Handgefäß ist nach § 43 Brandenburgisches Wassergesetz erlaubnisfrei; Pumpvorrichtungen sind im Landkreis Barnim per Allgemeinverfügung untersagt, bis auf Widerruf.

An der Schwärze sammelt sich im Herbst brauner Schaum auf der Unterstromseite von liegendem Erlenholz. Leicht, erdig, nicht klebrig. Gerbstoff aus zersetztem Laub, kein Eintrag von außen. Zwei Meter weiter läuft das Wasser klar über den Sand, schnell, hell, ohne sichtbare Trübung.

Beides gehört zu demselben Bach. Das eine sagt nichts über das andere, und keins von beidem sagt etwas darüber, was zweihundert Meter weiter oben liegt.

Konsequenz: Schlag die Porenweite deines Filters nach, bevor du am Wochenende losgehst. Steht dort „nominal“, rechne mit größeren Poren, als du gekauft hast.

— Maurice

Maurice Ressel — Survival-Trainer und Krisenfotojournalist
Wildnisschule Lupus · Hans-Marchwitza-Straße 5 · 16227 Eberswalde
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So kommt es jeden Donnerstag um 6 Uhr. Zur Anmeldung

Die ersten 13 Tage: das Starter Kit

Nach deiner Bestätigung schicke ich dir in 13 Tagen sechs E-Mails mit fünf PDFs: vier Feldaufträge und die Auswertung, den Ehrlichen Spiegel.

Vor jedem Auftrag schätzt du, wie gut du ihn meisterst. Danach notierst du das Ergebnis.

Der Abstand zwischen beidem ist dein Calibration Gap: die Lücke zwischen dem, was du glaubst zu können, und dem, was du unter Druck abrufst.

Ab Woche 3 kommt der Newsletter, jeden Donnerstag.

Maurice Ressel im Sarek Nationalpark Schweden – Wildnis-Expedition als Grundlage der Dimension Tiefe

Wer den Newsletter schreibt

 

Ich bin Maurice Ressel. 25 Jahre Survival-Praxis, 15 Jahre davon als Fotograf in Krisenregionen, 22 Länder. Das Handwerk habe ich draußen gelernt, lange davor.

Heute leite ich die Wildnisschule Lupus in der Schorfheide. Dort laufen die Kurse, aus denen viele Beobachtungen im Newsletter stammen. Mehr über mich: Maurice Ressel.

Jeden Donnerstag. Zum Einstieg das Starter Kit.

 

Die 13 Tage beginnen nach deiner Bestätigung. Danach eine Ausgabe pro Woche.

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Häufige Fragen.

 

Für alle, die Survival lernen wollen. Für den Newsletter brauchst du keine Vorkenntnisse; die Übungen haben Stufen, die erste ist der Einstieg.

Die vier Feldaufträge des Starter Kits setzen voraus, dass du ein Feuer entzünden und einen einfachen Unterschlupf bauen kannst.

Was du für draußen ohnehin hast. Einige Aufgaben prüfen genau diese Ausrüstung.

Der Abstand zwischen dem, was du dir vor einer Aufgabe zutraust, und dem, was du unter Druck abrufst. Wer sich 80 Prozent zutraut und 20 Prozent erreicht, hat einen Calibration Gap von 60. Das Starter Kit misst diesen Wert über vier Feldaufträge.

Nichts. Er bleibt kostenlos.

 

In den ersten 13 Tagen sechs E-Mails mit fünf PDFs. Danach eine Ausgabe pro Woche, donnerstags um 6 Uhr. Rund fünf Minuten Lesezeit.

Ja. Jede Email hat einen Abmelde-Link. Ein Klick reicht.

 

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