Dokumentierte Munitionshülsen in einem Krisengebiet — Maurice Ressel, 15 Jahre als Krisenfotojournalist

Meine Geschichte

 

Ich bin Maurice Ressel. Diese Geschichte beginnt in einer Psychiatrie und endet in 22 Krisenländern.

2001 war ich in einer Psychiatrie. Anfang 20, keine Richtung, kein Plan. Was ich hatte: eine Wut die stärker war als alles andere. In der Stille der Klinik habe ich zwei Dinge wiederentdeckt die beide von meinem Großvater kamen — die Natur und das Sehen. Ich habe mir ein Messer geholt, bin in den Wald gegangen und habe meinen ersten Shelter gebaut.

Daraus wurden 25 Jahre Survival. Daraus wurden 15 Jahre als Krisenfotojournalist in 22 Krisenländern — Afghanistan, Philippinen, Ukraine, Amazonas. Sechs Monate bei den Waiãpi, einem Volk das mit einfachsten Mitteln mehr kann als die meisten mit voller Ausrüstung.

Über 20 Jahre nach der Psychiatrie hat mich jemand aus meiner Vergangenheit wiedergefunden — jemand der dabei war. Der nicht fassen konnte was aus mir geworden ist. Und die Frage gestellt hat die alles verändert hat:

Wie ist das möglich?

Ich habe angefangen zu untersuchen was mich durch diese Jahre getragen hat. Und bin auf ein Muster gestoßen das ich in Krisenländern immer wieder beobachtet hatte: Rund drei Viertel der Menschen erstarren in echten Krisen — nicht weil Skills fehlen, sondern weil der Kopf versagt.

Leach — warum Menschen erstarren. Bandura — warum Selbstwirksamkeit entscheidet. Frankl — warum Sinn das Durchhalten ermöglicht. Klein — wie Erfahrene unter Druck entscheiden. Was ich im Wald gelernt, in Krisenländern beobachtet und bei den Waiãpi gesehen hatte — das hatte eine Struktur. Fünf Dimensionen. Zwei Hälften eines Kreises: Survival-Handwerk und Krisenpsychologie.

Die Innere Ausrüstung. Erst gelebt. Dann gefragt. Dann erkannt.

Die Innere Ausrüstung ist ein Trainingsmodell für Handlungsfähigkeit unter Druck — in fünf Dimensionen. Erkannt aus 25 Jahren Felderfahrung und wissenschaftlicher Stressforschung. Es trainiert das, was in echten Krisen über Handeln oder Erstarren entscheidet: nicht die Ausrüstung im Rucksack, sondern die Ausrüstung im Kopf.

Diesen Weg habe ich aufgeschrieben. Kein Ratgeber. Kein Coaching-Buch. Acht Szenen aus 22 Krisenländern. Du kannst sie hier lesen — Kapitel für Kapitel — oder als kostenloses E-Book herunterladen.

Die Innere Ausrüstung — Ein Fotojournalist in 22 Krisenländern, kostenloses Buch von Maurice Ressel

Aus dem Prolog

Die Luft war so heiß, als hielte mir jemand einen Föhn auf voller Stufe ins Gesicht.

52 Grad. Afar-Region. Der Land Cruiser schob sich durch die Danakil-Wüste, und ich hatte die Fenster geschlossen. Bei dieser Hitze lässt du die Fenster zu. Die Luft von draußen ist heißer als die Luft von drinnen. Der Körper will Luft. Aber der Kopf weiß: Fenster zu.

Doom Metal auf den Kopfhörern. Schwer wie das Atmen in dieser Hitze. Der Staub lag auf den Scheiben, auf dem Armaturenbrett, auf dem Kameragehäuse.

Die Kalaschnikow lag zwischen den Sitzen, als wäre sie ein Werkzeug wie jedes andere. Zwischen dem Fahrer und mir, der Holzschaft abgegriffen, das Metall stumpf, der Lauf nach hinten. Ich sah sie. Sagte nichts.

Die Hitze drückte von außen gegen das Blech, und im Wagen war es still bis auf das Dröhnen in den Kopfhörern.

Ich betete. Nicht zu einem Gott. Nicht um Rettung. Das Einzige, was blieb.

Der Schwefel von Dallol hing in der Luft, schwer und chemisch, er fraß sich in die Kehle und verband sich mit der Hitze und der Stille hinter dem Doom Metal zu einer Masse, die nicht für Lungen gemacht war.

Dann: eine Türkentaube.

Sie saß auf einem Felsen. Bei 52 Grad. Wo nichts überleben sollte.

Braunes Gefieder, der schwarze Streifen am Hals, zwanzig Meter von der Straße, und sie saß da, reglos in der Hitze, die mich hinter geschlossenen Scheiben und Doom Metal und einem Gebet ans Atmen klammern ließ – als ginge sie das alles nichts an.

Ich nahm die Kopfhörer ab. Der Doom Metal verschwand, und es blieb nur das Brummen des Motors und die Stille der Wüste dahinter.

Stopp, sagte ich.

Der Fahrer sah mich an. Er stoppte nicht.

Stopp, sagte ich noch einmal, und er bremste, und der Staub wirbelte auf, und wir standen.

Ich betrachtete die Taube durch die Scheibe, und die Taube betrachtete mich. Sie bewegte sich nicht. Zweiundfünfzig Grad, kein Wasser in Sichtweite, kein Schatten, zwei Prozent Luftfeuchtigkeit – und sie saß da. Lebendig.

Der Fahrer verstand nicht, warum wir wegen eines Vogels angehalten hatten. Ich verstand es selbst nicht ganz. Aber ich konnte den Blick nicht lösen von diesem Tier, das in einer Wüste lebte, in der ich nur mit geschlossenen Fenstern und einem Gebet durchkam.

Wie kann da was leben? Wie kann jemand existieren?

Die Hitze, die Taube auf dem Felsen, die Kalaschnikow zwischen den Sitzen, der Schwefel in der Kehle und das Gebet, das keines war und trotzdem das Einzige, was mir blieb – alles verdichtete sich, und aus dem Staunen über einen Vogel, der lebte, wo nichts leben sollte, wurde eine Frage.

Warum war ich hier?

Ich hatte Kriege dokumentiert. Krisen gesehen. 22 Länder in 15 Jahren. Aber hier, bei 52 Grad, stellte ich mir die Frage zum ersten Mal so, dass ich sie nicht mehr abschütteln konnte.

Warum war ICH hier?

Der Fahrer fuhr weiter, und die Taube verschwand hinter uns im Hitzeflimmern. Die Antwort kam nicht. Nicht in der Danakil. Nicht bei dieser Hitze. Nicht mit Doom Metal auf den Ohren und einer Kalaschnikow zwischen den Sitzen.

Aber die Frage blieb.

Die Antwort begann mit Kirchenglocken.

Moosbewachsener Waldweg mit Steinstufen in der Schorfheide — Wildnisschule Lupus Brandenburg

Acht Szenen. Ein Weg.

 

Kapitel 1 — Die Glocken

Münster, 2001 · 12 Min.

Ich bin zwanzig und am Ende. Keine Ausbildung, keine Freunde, kein Schlaf seit Wochen. An einem Morgen rufe ich in der Psychiatrie an.

→ Die Glocken lesen

Kapitel 2 — Das Feuer

Münster, 2001 · 13 Min.

Hundert Bücher auf einem Scheiterhaufen am Hafen. Benzin. Ein Streichholz. Alles, was ich war, wird Asche. Bis auf ein Buch, das ich nicht loslassen kann.

→ Das Feuer lesen

Kapitel 3 — Die Füße

Afghanistan, 2010 · 12 Min.

Ich liege unter einem Metalltor. Zehn Zentimeter Spalt. Draußen suchen Männer nach jemandem, der aussieht wie ich. Ich zähle ihre Sandalen. Ich zähle meinen Atem.

→ Die Füße lesen

Kapitel 4 — Die Wüste

Äthiopien · 14 Min.

52 Grad. Eine Kalaschnikow auf der Mittelkonsole. 300.000 Vertriebene, eine zerstörte Klinik, und ich mittendrin mit einer Kamera.

→ Die Wüste lesen

Kapitel 5 — Das Messer

Amazonas · 14 Min.

Sechs Monate bei den Waiãpi. Ein vierzehnjähriger Junge navigiert nachts durch schwarzes Wasser, ohne Licht, ohne Karte. Sein Werkzeug: ein rostiges Messer ohne Griff. Meines: eine Kamera für zwölftausend Euro.

→ Das Messer lesen

Kapitel 6 — Die Eichel

Deutschland · 13 Min.

Nieselregen. Schwarze Jacken. An einem Grab drückt mir ein Fremder eine Eichel in die Hand. In dieser Eichel steckt eine Wildnisschule.

→ Die Eichel lesen

Kapitel 7 — Der Kanal

Berlin · 18 Min.

Mein Sohn wird geboren. Und am Landwehrkanal bricht zusammen, was fünfzehn Jahre gehalten hat. Der härteste Ort zum Überleben war nicht Afghanistan.

→ Der Kanal lesen

Kapitel 8 — Das Wandbild

Brandenburg, 2021 · 14 Min.

Beide Großeltern sterben. Ein leeres Zimmer. An der Wand: Fotos, Stecknadeln und sechs Worte in der Mitte. Ich schreibe zwölf Sätze. Sie werden zum Codex einer Wildnisschule.

→ Das Wandbild lesen

Epilog

4 Min.

Sonntagmorgen. Kalter Kaffee. Streitende Kinder im Garten. So sieht es aus, wenn jemand geblieben ist.

→ Epilog lesen
Survival-Experte Maurice Ressel als Fotojournalist im Krisengebiet — Autor von Die Innere Ausrüstung

Kostenlos lesen

Dieses Buch kannst du kostenlos herunterladen. Als PDF für den Bildschirm oder als ePub für deinen eReader. An einem ruhigen Wochenende durchgelesen. Kein Marketing-Material — eine ehrliche Geschichte.

Dein PDF herunterladen

Oder als ePub für deinen eReader herunterladen

Kostenlos. Kein Formular. Kein Newsletter. Einfach lesen.

Naturnaher Mooswald in der Schorfheide — Trainingsumfeld für Survival-Psychologie

Was ich dort gelernt habe

In 22 Krisenländern habe ich dasselbe Muster gesehen. Menschen mit denselben Skills, derselben Ausrüstung, in derselben Situation — und die einen handeln, und die anderen erstarren. Rund drei Viertel. Nicht weil das Wissen fehlt. Sondern weil der Kopf versagt, bevor die Hände sich bewegen.

Die Survival-Branche trainiert Technik. Feuer, Shelter, Wasser, Navigation. Das ist die Spitze. Was darunter liegt — ein Körper, der unter Druck nicht einfriert, ein Kopf, der klar bleibt, Haltung, wenn Regeln wegbrechen, ein Grund weiterzumachen, und der erste Schritt, wenn alles dagegen arbeitet — das trainiert niemand. Weil es niemand benannt hat.

Ich konnte es benennen, lange bevor ich wusste, dass die Forschung es bestätigt. Fünf Dinge. Zwei Hälften eines Kreises. Daraus ist Die Innere Ausrüstung entstanden.

Das Trainingsmodell Die Innere Ausrüstung
Maurice Ressel demonstriert Shelter-Bau-Techniken während der Survival-Ausbildung an der Wildnisschule Lupus in Brandenburg

Über Maurice Ressel

 

Ich bin Survival-Experte und Gründer der Wildnisschule Lupus. 15 Jahre als Krisenfotojournalist in 22 Ländern. Mit Die Innere Ausrüstung verbinde ich praktische Survival-Skills mit der psychologischen Vorbereitung, die dahintersteht.

25+
Jahre Survival-Erfahrung
3.000+
Kursteilnehmer
22
Länder dokumentiert

30 humanitäre Einsätze, unter anderem für Ärzte ohne Grenzen, UNICEF, GIZ, Cap Anamur und Mercy Ships. Mehrere Monate Feldforschung bei den Waiãpi im brasilianischen Amazonas. IPA Award 2017 „Best of Show”. Buchautor bei Penguin Random House. Bekannt aus ZDF Terra X und dem Weltwach Podcast (Erik Lorenz). Meine Wildnisschule ist BNE-zertifiziert und hat ihren Sitz in der Schorfheide, Brandenburg.

Maurice Ressel beim Survival Training mit Teilnehmerin in der Wildnisschule Lupus, Schorfheide

Sprich mit mir

 

Wenn du nach dem Lesen spürst, dass du das nicht nur verstehen, sondern trainieren willst — melde dich. Kein Verkaufsgespräch. Ein Gespräch darüber, ob das Training zu dir passt.

info@wildnisschule-lupus.de · 0174 247 8570