Die Innere Ausrüstung

Überlebenswille

Drei Monate nach dem Taifun saß ich auf Leyte in einem Haus ohne Dach, mit dem Rücken an einer Wand aus Hohlblocksteinen. In der anderen Ecke stand ein Plastikstuhl. Ein älterer Mann saß darauf, um ihn seine Enkel, und er sah ihnen zu.

Ich hob die Kamera. Im Sucher war ein Bild, das funktionierte: der weiße Stuhl gegen den grauen Schutt, die Kinder vorn, der Mann dahinter. Dann sah ich sein Gesicht. Er sah glücklich aus.

Ich nahm die Kamera herunter. Ohne Sucher schaute ich ihm weiter zu, und eine Frage kam, bevor ich sie formulieren konnte:

Was bleibt zum Schluss übrig?

In 15 Jahren als Krisenfotojournalist in 22 Ländern habe ich gesehen, worauf es unter Druck ankommt; das war kein Survival Training, sondern Dokumentation.

Zu sehen war auf Leyte ein Mann, der sich an den Menschen um ihn hielt. Eine Survival-Lage war das nicht. Die Hilfe war schon da.

Draußen, wo die gewohnte Hilfe fehlt, kann es nass, kalt und lang werden. Die Frage, was dich dann weitermachen lässt, stellst du dir selbst.

Warum halte ich durch?

Die Innere Ausrüstung trainiert fünf Kompetenzbereiche, Belastbarkeit, Lagebeurteilung, Zusammenarbeit und Verantwortung, Überlebenswille und Überlebenstechniken, an derselben Übung, in vier Lernstufen vom Kennenlernen bis zum Anwenden unter Belastung.

Vierter Kompetenzbereich
Warum halte ich durch?
15 Min. Lesezeit · Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026

Was Überlebenswille ist (und was nicht)

Im Kompetenzbereich Überlebenswille im Survival Training geht es darum, was dich weitermachen lässt, wenn die Verpflegung knapper wird, die Ausrüstung weniger und du allein bist. Gemeint ist eine Lage, in der dir die Hilfe fehlt, auf die du dich sonst verlässt.

Der Wille stützt sich auf die Menschen und Dinge, an denen jemand hängt.

Die Frage, wofür du weitermachst, entsteht draußen und wird danach besprochen. Die Antwort bleibt bei dir. Deinen Satz „Wofür ich durchhalte“ überarbeitest du selbst, und in der Gruppe wird er nicht vertieft.

Keine Härte, keine Soldatentugend

Der Wille zu überleben ist keine Härte und keine Soldatentugend. Ein Seminar über den Sinn des Lebens ist dieser Bereich auch nicht.

Leyte, Philippinen, im Februar 2014, drei Monate nach dem Taifun Haiyan. Foto: Maurice Ressel.

Was die Handbücher sagen

Der Maßstab ist der Survival-Teil der militärischen Doktrin, vor allem die öffentlichen Handbücher der US Army und der US Air Force. Angepasst habe ich ihn für Zivilisten: ohne Gefangenschaft, ohne Ausweichen vor einem Gegner, mit Ausstieg jederzeit. Ich bin kein Soldat.

Das Handbuch der US Army sagt dazu: Die Fertigkeiten sind wichtig, der Wille zu überleben ist unerlässlich.

Das Handbuch der US Air Force beschreibt den Willen zu überleben als den Wunsch zu leben, auch wenn innere oder körperliche Hindernisse unüberwindbar scheinen. Nach demselben Handbuch ist dieser Wille in allen Menschen da, unterschiedlich stark. Für das Handbuch ist die Haltung sein wichtigstes Element.

Innerlich aufgeben

Wer nicht vorbereitet ist, kann sich innerlich geschlagen geben, lange bevor der Körper am Ende ist.

Als erste Zeichen nennt das Handbuch der US Air Force: sich abfinden, still werden, kaum noch reden, keinen Appetit haben, sich aus der Gruppe zurückziehen.

Gegen das innere Aufgeben hilft dort, zu planen, tätig zu sein und alle in der Gruppe geordnet zu beteiligen. Erschöpfung und Austrocknung tragen zum Aufgeben bei, und was dabei im Körper geschieht, führt Belastbarkeit aus.

Dass Menschen in einer Notlage innerlich aufgeben können, beschreibt John Leach als Hypothese.

Wie die Gruppe aufeinander achtet, steht bei Zusammenarbeit und Verantwortung.

Die Fertigkeiten sind wichtig, der Wille zu überleben ist unerlässlich. (ATP 3-50.21, Abs. 1-9)

Kraft zum Durchhalten: woran der Wille sich hält

Die Menschen und Dinge, an denen man hängt

Das Handbuch der US Air Force nennt als eine Quelle des Willens die Menschen und Dinge, an denen man hängt. Auf Leyte war es der Kreis um den Plastikstuhl.

Die Handbücher nennen daneben weitere Quellen. Der Gedanke an die Menschen, die man liebt, kann den Wunsch geben, es weiter zu versuchen und noch einen Tag durchzuhalten. Auf dem Spiel stehen das eigene Leben und das Leben anderer, die von einem abhängen. Dazu kommen Pflichten gegenüber der Familie, sich selbst und dem eigenen Glauben und der Wert, den man dem Leben gibt.

Was den Willen trägt

Erreichbare Ziele setzen, vom Einfachen zum Schweren, und auf sie hinarbeiten, kann nach dem Handbuch helfen, zuversichtlich zu bleiben. Ein solches Ziel ist etwa, den Shelter zu verbessern, den Unterschlupf, den du dir baust. Wie du das machst, ist der Handgriff, und ein Handgriff ist jede Fertigkeit, die du draußen brauchst.

Das Handbuch rät außerdem, erst die leichteren Aufgaben anzugehen, dann die schwereren. Am Platz ist das die nächste kleine Aufgabe. Zum Entspannen nennt es einen Wechsel der Tätigkeit, ein Gespräch und Humor.

Der Mann auf dem Plastikstuhl und seine Enkel, Leyte, Philippinen, Februar 2014. Foto: Maurice Ressel.

Den Willen behaupte ich nicht als Eigenschaft. Man sieht ihn am Handgriff: daran, ob die Arbeit nach Kälte, Nässe und Müdigkeit weitergeht oder ob jemand nachbessert. Aussteigen ist dabei kein Zeichen von fehlendem Willen.

Durchhalten ist keine Härte

Im Training lernst du, Unbehagen zu tragen, nicht, es zu suchen. Nach dem Handbuch der US Air Force lässt sich üben, Unbehagen auszuhalten. Wer sich zu sehr auf seine Ausrüstung verlässt, entwickelt laut demselben Handbuch schwerer andere Lösungen. Darauf baut die Ausrüstungsabgabe im Intensivkurs auf.

Die Ausrüstungsabgabe ist ein Unterrichtsmittel, nie ein Härtetest.

Kälte schwächt den Willen

Für das Handbuch stumpft große Kälte den Kopf ab und dämpft den Willen zu allem außer dem Warmwerden. Wenn der Wille in der Kälte nachlässt, ist das kein Charakterfehler, sondern ein Grund, auf den Körper zu achten. Was der Körper bei Kälte tut, führt Belastbarkeit aus.

Frankls drei Wege

Für das Handbuch der US Army liegt oft nicht in deiner Hand, was draußen geschieht, wohl aber deine Antwort darauf. Bei Lagebeurteilung folgt daraus, die Kraft auf das zu richten, was sich ändern lässt. Hier bleibt Raum für die Frage, warum du durchhältst.

Das Handbuch der US Air Force ergänzt: Wer Unbehagen als vorübergehend erkennt, kann sich auf das Handeln konzentrieren, das weiterbringt.

Viktor Frankl hat beschrieben, dass Menschen auf drei Wegen erfahren, wofür es sich weiterzumachen lohnt: durch das, was sie tun, durch das, was oder wen sie erleben, und durch die Haltung, die sie zu dem einnehmen, was sich nicht ändern lässt.

Frankls Ansatz und der Wille der Handbücher passen zur Forschung. Dass die Arbeit am Sinn mit dem Training draußen zusammenhängt, ist nicht belegt.

Die Bausteine, aus denen das Training besteht, stützen sich auf Forschung. Das Ganze, so wie ich es lehre und in Stufen aufbaue, hat niemand in einer Studie geprüft.

Große Kälte stumpft den Kopf ab und dämpft den Willen zu allem außer dem Warmwerden. (AFH 10-644, Abs. 4.9.8.1)

Menschen, die auf dich zählen

Bantay

Auf Leyte lernte ich eine Familie mit Kindern kennen und ihren Hund. Er hieß Bantay, auf Tagalog „Wächter“. Als der Taifun aufzog, weckte er die Familie. Er kratzte an der Tür und hörte nicht auf, bis sie aufmachten.

Manchmal ist es ein anderer, an dem jemand hängt, der ihn weitermachen lässt. Neben den Menschen, die man liebt, sind es auch die, die auf einen zählen.

Im Kurs sind die, die auf dich zählen, die anderen in der Gruppe. Wie die Gruppe aufeinander achtet, steht bei Zusammenarbeit und Verantwortung.

Das Übungsgelände in der Schorfheide, wo im Intensivkurs und in der Ausbildung die Zeit allein draußen stattfindet. Foto: Maurice Ressel.

Wie ich Überlebenswille in den Kursen lehre

Ich trainiere den Kopf am Handgriff, nicht daneben.

Training heißt in diesem Bereich: Ich beobachte, ich frage, und danach besprechen wir die Übung. Den Druck macht die Natur, die Aufgaben dazu stelle ich. Ich leite jeden Kurs allein, stehe am Rand und sage während der Übung wenig.

Die Nacht auf dem Laub

Intensivkurs, ein Wald in Brandenburg, der dritte Tag. Es ist Abend. Ab dem dritten Tag wird die Ausrüstung weniger.

Bevor du anfängst, sind alle 60 Sekunden still. Dann frage ich: „Wofür bist du hier?“ Dazu sage ich: „Ich frage nicht, weil ich eine schöne Antwort hören will. Ich frage, weil dein Warum in den nächsten Stunden helfen kann.“

Jeder beantwortet die Frage für sich, nicht laut. Wer will, sagt einem Partner einen Satz dazu. Dann geht ihr direkt an die Arbeit.

Für die Nacht baust du die Isolierung gegen den Boden aus Laub. Dein Schlafsack liegt versiegelt in Reichweite, und öffnen darfst du ihn jederzeit, ohne Begründung.

Du holst Laub heran und legst es dort aus, wo du liegen wirst. Eine Schicht reicht nicht. Du holst nach, legst nach, verbesserst. Für das Handbuch ist alles ein mögliches Werkzeug, auch das Laub.

Am Morgen folgt die Nachbesprechung. Besprochen wird die Übung, nicht die Lebensgeschichte. Zu „Wofür bist du hier?“ frage ich dabei nur eins: „Hat dein Warum geholfen, oder war es zu weit weg?“ Dazu sage ich: „Wenn nichts kommt, ist das auch eine Auskunft.“

Was du beim nächsten Mal anders machst, hältst du als Wenn-dann-Plan fest. So ein Plan heißt: vorher festlegen, was du tust, wenn etwas nicht gelingt. Danach kommt ein Eintrag in dein Feldtagebuch, das du selbst führst.

Allein im Wald übernachten

Die Zeit allein draußen dauert im Intensivkurs 24 Stunden und in der Ausbildung 48 Stunden, an einem festen Platz. Am Vorabend gibt es eine Einweisung: Platz, Grenzen, Meldezeiten. Dann baust du dein Biwak, dein Nachtlager, machst Feuer und verbringst die Nacht allein.

Das Handbuch rät, Shelter, Signale und Vorräte täglich zu prüfen und zu verbessern, um beschäftigt zu bleiben. Wenn du gut eingerichtet bist und Zeit hast, prüfst und verbesserst du Shelter, Isolierung und Signalplatz.

Dasselbe Handbuch nennt einen Zeitpunkt: Niedergeschlagenheit kommt oft gerade dann, wenn das Nötigste steht und Zeit bleibt. So eine Lage kann allein draußen entstehen.

Am Morgen schreibst du, wenn du willst, ein paar Zeilen ins Feldtagebuch: was geschah und was du getan hast. Bei der Rückkehr sprichst du zuerst allein mit mir. Dann gibt es eine Erzählrunde am Feuer. Wer will, erzählt, und die anderen hören nur zu. Niemand kommentiert.

Drei-Wege-Nachbesprechung

Ab dem Intensivkurs folgt auf eine mehrstündige Feldübung die Drei-Wege-Nachbesprechung, wenn ihr danach am Feuer sitzt. Ihr sprecht im Paar, jeder zwei bis drei Minuten. Ihr fragt euch gegenseitig nach den drei Wegen, bezogen auf diesen Tag: was du getan hast, was du draußen erlebt hast und wo du etwas entschieden hast, obwohl sich nichts ändern ließ.

Die dritte Frage lautet: „Gab es einen Moment, in dem du nichts tun und nichts genießen konntest und trotzdem etwas entschieden hast?“ Dazu sage ich: „Die dritte Frage ist die schwerste.“

Ich höre zu und frage nicht nach. Reagiert jemand stark, bleibe ich da und spreche danach allein mit ihm.

Wofür ich durchhalte

Ab dem Intensivkurs formulierst du einen kurzen eigenen Satz aus zwei Teilen. Der erste beginnt mit „Ich baue an …“, der zweite antwortet auf „Wer außer mir hat etwas davon?“. Du überarbeitest ihn am zweiten Tag, nach der Zeit allein draußen und am letzten Tag.

Dahinter steht ein Grundsatz: Richtung ohne Zeitplan. Die Zuversicht hängt nicht an einem Datum, an dem Hilfe kommt, und die Aufmerksamkeit geht auf die nächste Aufgabe. Im Kurs ist das Ende bekannt, und die festen Meldezeiten gelten trotzdem. Geübt wird der Blick auf die nächste Aufgabe.

Das Handbuch der US Army rät, Hoffnungen und Erwartungen in dem Rahmen zu halten, den die Lage hergibt, weil sich niemand darauf verlassen kann, dass Hilfe bald kommt. Dazu sage ich: „Richtung. Kein Zeitplan.“

Überlebenswille in den vier Kursen

Im Tageskurs, einem Tag, steht dieser Bereich nicht auf dem Plan, auch „Wofür bist du hier?“ nicht, weil es keine Nacht draußen gibt und keinen Verzicht. Das Zutrauen aus der ersten gelungenen Aufgabe gehört zu den Überlebenstechniken.

Am Wochenende, drei Tage und zwei Nächte, ist die Lernstufe Kennenlernen. „Wofür bist du hier?“ steht vor der anspruchsvollsten Übung des Tages, in der Nachbesprechung folgt nur die eine Frage dazu. Dazu kommen die drei Fragen am Morgen.

Im Intensivkurs, sieben Tage und sechs Nächte, ist die Lernstufe Einüben. Dazu kommen die Drei-Wege-Nachbesprechung, der Satz „Wofür ich durchhalte“, die Ausrüstungsabgabe ab dem dritten Tag mit der Isolierung aus Laub und 24 Stunden allein draußen.

In der Ausbildung, zwölf Monate, ist die Lernstufe Selbstständig anwenden. Dort gehören alle Übungen dazu, und Teile davon leiten die Teilnehmer selbst an. Den Satz „Wofür ich durchhalte“ prüfst und überarbeitest du über das Jahr, und allein draußen bist du 48 Stunden.

Eine Lernstufe sagt, was im Kurs geschieht, nicht, was jemand danach kann.

Was dieser Bereich nicht ist

Niemand bekommt im Kurs ein Warum, und ich verspreche nicht, dass du deines findest. Dazu sage ich: „Ich trainiere nicht Sinn. Ich schaffe Bedingungen.“

An Lebenszielen oder Glaubenssätzen wird hier nicht gearbeitet. Du übst am Handgriff, in Lernstufen. Eine Therapie ist das Training nicht.

Grenzen und Sicherheit

Der Druck steigt kontrolliert und in Stufen; aussteigen ist jederzeit möglich, ohne Begründung. Das ist eine Regel für den Kurs.

Allein draußen bist du nur im Intensivkurs, 24 Stunden lang, und in der Ausbildung, 48 Stunden lang. Das geschieht an einem festen Platz, mit Funk, festen Meldezeiten und einem festen, schriftlichen Ablauf bei verpasster Meldung. Aussteigen kannst du auch dort jederzeit, mit einem vereinbarten Codewort. Allein draußen ist keine Prüfung.

Das Handbuch der US Air Force rät, unterwegs nicht allein zu gehen, solange es eine andere Möglichkeit gibt. Im Kurs übst du die Zeit allein trotzdem, im gesicherten Rahmen. Allein fehlt, was die Gruppe sonst mitträgt: Du versorgst dich selbst und liest deine Lage ohne andere. Es ist eine Übung und keine Empfehlung, allein loszugehen.

Die Ausrüstung kommt zurück, wenn es zu kalt wird. Weniger Wasser gibt es nie.

Was im Kurs trägt, lässt keinen Schluss darauf zu, was in einer echten Notlage hält.

Übungen zum Nachdenken und Erzählen können persönliche Themen berühren. Die Teilnahme daran ist freiwillig, und das erfährst du vor dem Kurs. Die Kursleitung macht aufmerksam, gibt keinen Sinn vor und wendet keine klinischen Techniken an.

Wer akut unter Traumafolgen oder einer anderen seelischen Erkrankung leidet, holt vorher ärztlichen oder therapeutischen Rat ein. Das Training ersetzt keine Behandlung.

Übungsgelände in der Schorfheide. Foto: Maurice Ressel.

Ein erster Schritt ohne Kurs

Für eine kleine Probe brauchst du keinen Kurs, nur eine Woche.

Morgens

Die drei Fragen am Morgen

Eine Woche lang stellst du dir morgens die drei Fragen aus dem Kurs: „Verstehe ich, was heute passiert?“ „Habe ich, was ich brauche, oder weiß ich, wo ich es finde?“ „Ist das hier der Mühe wert?“

Im Alltag

Ein Wenn-dann-Satz

Einen Wenn-dann-Satz nimmst du mit in Alltag und Beruf, etwa diesen: „Wenn mir heute eine Aufgabe zu groß wird, dann fange ich mit dem leichtesten Teil an.“

Im Kurs

Dieselben Fragen draußen

Ab dem Wochenende stellst du dieselben drei Fragen morgens draußen. Jeder beantwortet sie für sich und schriftlich, bei Regen mündlich.

Die Übung zu Hause ersetzt nicht die Frage draußen.

Wie es weitergeht

Auf Leyte saß ein Mann auf einem Plastikstuhl und sah seinen Enkeln zu. Das Warum und die Handgriffe gehören zusammen.

Dieser Bereich beginnt am Wochenende, mit „Wofür bist du hier?“. Einsteigen kannst du in jeden Kurs, ohne Vorkenntnisse. Vor Intensivkurs und Ausbildung führen wir ein persönliches Gespräch.

Meinen Einstieg finden →

Was tue ich, wenn es zählt?

Weiter zum fünften Kompetenzbereich: Überlebenstechniken
Zurück zur Übersicht: Die Innere Ausrüstung

Häufige Fragen

Nein, Achtsamkeit ist in diesem Bereich nicht das Ziel. Im Training gehört sie zur Lagebeurteilung, als ein Baustein, mit dem du übst, zur Ruhe zu kommen. Das ist kein Urteil über Achtsamkeit: Das Handbuch der US Air Force zählt auch Meditation zu dem, was helfen kann. In diesem Bereich geht es um die Frage, wofür du weitermachst, gestellt draußen vor einer Übung.

Ja, in dem Sinn, dass ich beobachte, frage und danach mit dir bespreche, in Lernstufen und am Handgriff. Das Handbuch der US Air Force sieht auch das Tragen von Unbehagen als etwas, das sich üben lässt. Die Bausteine, aus denen das Training besteht, stützen sich auf Forschung. Das Ganze, so wie ich es lehre und in Stufen aufbaue, hat niemand in einer Studie geprüft.

Der Unterschied liegt im Ort und in der Arbeit: Das Training findet draußen statt, am Handgriff. Die Stille vor „Wofür bist du hier?“ ist eine Frage vor einer Übung und steht nicht an ihrer Stelle. Leyte und die Familie mit dem Hund sind Beobachtungen aus meiner Zeit als Fotograf, und an diesen Orten wird nicht trainiert.

Nein, der Bereich ist keine Form von Religion. Das Handbuch der US Air Force nennt den Glauben als eine mögliche Quelle des Willens, und es zählt Glaube und Hoffnung zu dem, was helfen kann. Im Kurs frage ich weder nach deinem Glauben, noch biete ich einen an. Die Antwort auf das Wofür bleibt bei dir, welche es auch ist.

Das Handbuch der US Air Force versteht darunter den Wunsch zu leben, auch wenn Hindernisse unüberwindbar scheinen. Nach demselben Handbuch hat jeder Mensch diesen Willen, der eine stärker, der andere schwächer. Ein älteres Handbuch der US Army versteht ihn auch als die Weigerung, aufzugeben. Im Kurs bleibt aussteigen trotzdem jederzeit möglich.

Quellen

Handbücher der Überlebensausbildung: US Army, ATP 3-50.21 (2018), Abs. 1-9, 1-15, 1-16, 1-17, 1-18 · US Air Force, AFH 10-644 (2017), Kap. 4 (Einleitung), Abs. 1.1.3, 2.2.2.4, 2.2.5, 2.3, 4.7, 4.7.2, 4.7.4, 4.9.3, 4.9.4, 4.9.8.1, 4.11.2, 4.12.4, 4.17.2, 4.18.3, 4.25, 5.6.3.1, 19.1.1 · US Army, FM 21-76 (1992), abgelöst; aktuell ATP 3-50.21, Kap. 1 und 2. Zitate aus den Handbüchern in meiner Übersetzung.

Forschung: Frankl (1946), Ärztliche Seelsorge. Grundlagen der Logotherapie und Existenzanalyse · Leach (2018), ‘Give-up-itis’ revisited: Neuropathology of extremis · Antonovsky (1987), Unraveling the Mystery of Health · Gollwitzer und Sheeran (2006), Wenn-dann-Pläne.

Maurice Ressel, Survival-Experte und Gründer der Wildnisschule Lupus

Maurice Ressel

Survival-Experte · Kriegs- & Krisenfotojournalist · Autor

25 Jahre Survival-Praxis. 15 Jahre als Kriegs- und Krisenfotojournalist in 22 Krisenländern, mit Einsätzen für Ärzte ohne Grenzen, UNICEF und Cap Anamur. IPA Award 2017. Gründer der Wildnisschule Lupus in der Schorfheide.