Glossar › Survival

Von Maurice Ressel, Survival-Experte – 15 Jahre Felderfahrung in 22 Krisenländern

Survival: Definition, Bedeutung und wissenschaftliche Grundlagen

Survival bezeichnet den psychophysischen Zustand akuter Lebensbedrohung, in dem ein Mensch unter Ressourcenmangel und ohne gewohnte Hilfsstrukturen sein Weiterleben sichern muss. Drei Bedingungen definieren eine Survival-Situation: eine tatsächliche oder wahrgenommene Bedrohung des Lebens, der eingeschränkte Zugang zu Mitteln der Lebenserhaltung und die Temporalität – das Ziel bleibt die Rückkehr zu normalen Bedingungen. Die Forschung zeigt, dass Survival primär ein psychologisches Phänomen ist: Kognitive Reaktionsmuster unter Stress begrenzen die Überlebensfähigkeit stärker als physische Faktoren (Leach, 1994).

Survival auf einen Blick

Survival ist ein zeitlich begrenzter psychophysischer Zustand unter akuter Lebensbedrohung, nicht ein Synonym für Abenteuer oder Wildnisaufenthalt.

Drei notwendige Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein: Lebensbedrohung, Ressourcenmangel und Temporalität.

Survival ist primär ein psychologisches Phänomen – nur rund 10–15 % der Betroffenen handeln in akuten Krisensituationen effektiv (Leach, 1994).

Die physiologische Prioritätenhierarchie folgt einer klaren Reihenfolge: Atmung vor Thermoregulation vor Wasser vor Nahrung.

Keine internationale Institution definiert Survival einheitlich – sieben verschiedene Rahmenwerke operationalisieren den Begriff nach unterschiedlicher Logik.

Die Definition ist domänenunabhängig: Survival entsteht in der Wildnis, auf See, in der Stadt, im Gefecht oder im Weltraum – überall dort, wo die drei Bedingungen gleichzeitig eintreten.

Was bedeutet Survival wissenschaftlich?

Survival (von lat. supervivere, wörtlich „über das Erwartete hinaus leben”) erschien im Englischen erstmals in den 1590er Jahren als juristischer Fachbegriff im Erbrecht. Die wissenschaftliche Bedeutungsverschiebung zum psychophysischen Zustand vollzog sich erst im 20. Jahrhundert, als militärische, medizinische und psychologische Forschung den Begriff mit empirischem Gehalt füllten. Im Deutschen existiert das althochdeutsche ubarlebēn seit dem 9. Jahrhundert. Der Duden führt „Survival” als eigenständigen Begriff im Outdoor-Kontext nicht – lediglich das Kompositum „Survivaltraining” und den ethnologischen Fachbegriff „Survivals” nach Edward B. Tylor.

Nach der Arbeitsdefinition von Ressel (2026) müssen drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein, damit eine Situation wissenschaftlich als Survival klassifiziert werden kann. Erstens eine tatsächliche oder wahrgenommene Lebensbedrohung durch Umwelt, Mangel oder andere Faktoren. Zweitens ein Ressourcenmangel – der eingeschränkte Zugang zu Schutz, Wasser, Nahrung oder medizinischer Versorgung. Drittens die Temporalität: Das Ziel ist die Überwindung der Krise, nicht das dauerhafte Leben unter diesen Bedingungen. Genau diese Grenzziehung trennt Survival von Bushcraft, das auf freiwilligem, langfristigem Naturaufenthalt beruht (Ressel, 2026).

Sieben internationale Institutionen operationalisieren den Begriff nach grundlegend verschiedener Logik: die US-Armee (ATP 3-50.21), die NATO (STANAG 7196), die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO (SOLAS), die Flugunfallbehörde NTSB, die WHO, die NASA und nationale SAR-Organisationen. Die US-Armee versteht Survival als aktiven Entscheidungsprozess des Individuums. Die IMO behandelt Überleben als passive Schutzfunktion maritimer Ausrüstung. Die WHO betrachtet es als bevölkerungsbezogenes Ergebnis von Triageentscheidungen. Die fundamentale Divergenz verläuft zwischen Survival als Prozess, als Zustand und als statistisches Ergebnis – je nachdem, ob der Mensch, die Technik oder das System im Zentrum steht.

Die drei Bedingungen der Arbeitsdefinition sind bewusst domänenunabhängig formuliert. Survival entsteht nicht nur in der Wildnis. Ein Erdbeben in einer Großstadt, ein Gefecht hinter feindlichen Linien, eine Havarie auf See, ein Stromausfall in der Zivilinfrastruktur – überall dort, wo Lebensbedrohung, Ressourcenmangel und Temporalität zusammentreffen, beginnt eine Survival-Situation. Institutionell spiegelt sich das in Subdomänen wie Combat Survival, Urban Survival, Sea Survival, Arctic Survival oder Air Survival. Diese beschreiben nicht verschiedene Zustände, sondern denselben Zustand in verschiedenen Umgebungen.

Wie es zu dieser Fragmentierung kam, zeigt die Begriffsgeschichte.

Wie hat sich der Survival-Begriff historisch entwickelt?

1942 publizierte der Harvard-Physiologe Walter Bradford Cannon in American Anthropologist den Aufsatz „Voodoo Death” – die erste wissenschaftliche Arbeit, die einen psychologischen Zustand als direkten Todesfaktor identifizierte (Cannon, 1942). Drei Jahre zuvor hatte Großbritannien unter Major Norman Crockatt den Geheimdienst MI9 gegründet, um alliiertes Flugpersonal in Flucht, Überleben und Widerstand zu schulen – die erste formalisierte Survival-Ausbildung weltweit.

Cannon wies 1942 nach, dass extreme Angst physiologischen Tod verursachen kann – die erste Studie, die Psychologie als direkten Todesfaktor identifizierte.

Der Seeweg führte parallel: Nach dem Untergang der Titanic (1.502 Tote) verabschiedeten dreizehn Staaten 1914 die erste SOLAS-Konvention, das früheste internationale Regelwerk zum Überleben auf See. Ab 1945 systematisierte das RAF Institute of Aviation Medicine die Kaltwasser-Überlebensforschung.

Der Koreakrieg beschleunigte die Formalisierung. Präsident Eisenhowers Executive Order 10631 (1955) legte den Code of Conduct fest und schuf die Grundlage für alle SERE-Programme. Die US Army publizierte 1957 das Field Manual FM 21-76 – das am weitesten verbreitete Überlebenshandbuch der Militärgeschichte. Curt Richter wies im selben Jahr nach, dass Hoffnungslosigkeit bei Ratten durch parasympathischen Kollaps zum Tod führt – eine experimentelle Brücke zwischen Cannons klinischer Beobachtung und der späteren Forschung zum psychogenen Sterben.

Den entscheidenden Schritt vollzog John Leach 1994 mit der Monografie Survival Psychology (Palgrave Macmillan). Leach synthetisierte erstmals die bis dahin getrennten Stränge – Kriegsstress, Angstpsychologie, Katastrophenverhalten, physiologische Grenzzustände – zu einem einheitlichen Rahmenwerk des menschlichen Überlebens. Seine spätere Arbeit identifizierte kognitive Paralyse in Notfällen (Leach, 2004) und formulierte ein fünfstufiges Modell des psychogenen Todes (Leach, 2018). Was in diesen Phasen psychologisch und physiologisch geschieht, lässt sich inzwischen in einer zeitlichen Abfolge beschreiben.

Was passiert in einer Survival-Situation mit dem Menschen?

Überleben entscheidet sich in den ersten Minuten. Was danach folgt, gehorcht einer psychologischen und physiologischen Zeitlogik, die von Millisekunden bis zu Wochen reicht.

In den ersten 30 bis 80 Millisekunden feuert der Startle-Reflex – eine unwillkürliche Schreckreaktion, die das kognitive System kurzzeitig leerfegt. Innerhalb von Sekunden setzt die Orientierungsreaktion ein: Der Kopf wendet sich zur Gefahrenquelle, der Körper erstarrt, die Sinnesschärfe steigt. Kozlowska et al. (2015) beschrieben diesen Zustand als erste Stufe eines neurowissenschaftlich gestützten Rahmenwerks der Verteidigungskaskade, bei dem Sympathikus und Parasympathikus gleichzeitig aktiviert werden.

Zwischen 30 Sekunden und zehn Minuten öffnet sich das Fenster, in dem sich Überleben entscheidet. Menschen normalisieren die Situation, sammeln Gegenstände, warten auf Hinweise anderer. Leach (2004) zeigte, dass Menschen bis zu zehn Sekunden brauchen, um eine neuartige Reaktion zu generieren – eine Zeitspanne, die in akuter Bedrohung über Leben und Tod entscheiden kann. Nur rund 10–15 % der Betroffenen handeln in dieser Phase effektiv, während die Mehrheit verzögert oder unangemessen reagiert (Leach, 1994). Diese Verteilung beschreibt eine qualitative Heuristik, keine empirisch exakte Prozentzahl.

Kognitive Paralyse, nicht physisches Versagen, ist die häufigste Ursache für Handlungsunfähigkeit in Survival-Situationen.

Der Cortisol-Spiegel erreicht nach 20 bis 40 Minuten seinen Höhepunkt. Leach (2012) dokumentierte in dieser Phase ein vorübergehendes dysexekutives Survivor-Syndrom: Initiativverlust, stereotype Handlungen, Aufmerksamkeitsstörungen. Feldstudien mit RAF-Personal zeigten, dass sich diese kognitive Beeinträchtigung innerhalb von etwa 72 Stunden vollständig zurückbildet (Leach & Ansell, 2008). Wer in diesem kritischen Dreitagefenster die exekutive Kontrolle wiedererlangt, beginnt mit zielgerichtetem Überlebensverhalten. Wer nicht, bewegt sich in Richtung des Aufgebens.

Leach (2018) hypothetisierte ein fünfstufiges Modell des psychogenen Todes: sozialer Rückzug, Apathie, Aboulie, psychische Akinesie und Tod – innerhalb von etwa drei Wochen nach Beginn. Der vorgeschlagene Mechanismus ist eine Dysfunktion frontaler Hirnschaltkreise durch Dopamin-Ungleichgewicht. Entscheidend: Der Prozess ist umkehrbar durch Wiederherstellung von Kontrollerleben und Handlungsoptionen.

Parallel zum psychologischen Verlauf folgt die Physiologie einer eigenen Zeitlogik. Gordon Giesbrecht fasste die evidenzbasierten Kaltwasser-Überlebenszeiten im 1-10-1-Prinzip zusammen: eine Minute, um die Atmung zu kontrollieren; zehn Minuten sinnvolle Bewegung; eine Stunde bis zur Hypothermie-Bewusstlosigkeit (Giesbrecht, 2000). Shattock und Tipton (2012) identifizierten einen möglichen Mechanismus für plötzliche Todesfälle in kaltem Wasser: die gleichzeitige Aktivierung von Sympathikus und Parasympathikus, die letale Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Die meisten Kaltwasser-Tode gehen nicht auf Hypothermie zurück, sondern auf Ertrinken in den ersten Minuten.

Die popularisierte Dreierregel ist eine pädagogische Merkformel, keine empirische Grenze. In heißem Klima kann Dehydration bereits nach 1–2 Tagen tödlich verlaufen (Tipton, 2025).

Kognitive Beeinträchtigung setzt ab fünf Prozent Körpergewichtsverlust ein (Craig & Cummings, 1966). Am anderen Ende des Spektrums dokumentierte Paal et al. (2020) neurologisch intaktes Überleben bei einer Kerntemperatur von 4,2 °C – ein Beleg für die Spannbreite menschlicher Anpassungsfähigkeit unter Extrembedingungen. In urbanem Kontext zeigen Erdbebendaten ein anderes Zeitfenster: Über 90 % der Überlebenden werden innerhalb der ersten 72 Stunden gerettet, die maximale dokumentierte Überlebensdauer unter Trümmern beträgt 13 bis 14 Tage (Macintyre et al., 2006). Die Abgrenzung zu verwandten Konzepten verdeutlicht, was Survival von anderen Zuständen unterscheidet.

Worin unterscheidet sich Survival von verwandten Konzepten?

Die Temporalität ist das zentrale Unterscheidungskriterium. Bushcraft beruht auf freiwilligem, langfristigem Aufenthalt in der Natur; Survival entsteht durch unfreiwillige, akute Bedrohung mit dem Ziel der Rückkehr. Prepping zielt auf Vorratshaltung und stationäre Vorsorge; Survival auf adaptive Fähigkeiten unter Ressourcenmangel. Resilienz wirkt nach der Krise als psychische Regenerationsfähigkeit; Survival beschreibt den Zustand während der Krise. Krisenvorsorge operiert auf der Systemebene; Survival auf der Ebene des Individuums.

Konzept Survival ist … Abgrenzung ist … Kernunterschied
Bushcraft Unfreiwillig, temporär, Notfall Freiwillig, langfristig, Handwerk Auslöser: Bedrohung vs. Wahl
Prepping Fähigkeitsorientiert, adaptiv Vorratsbasiert, stationär Wissen vs. Material
Resilienz Während der Krise aktiv Nach der Krise regenerierend Zeitpunkt: akut vs. regenerativ
Krisenmanagement Individuumszentriert Systemzentriert Ebene: Person vs. Organisation

Im Deutschen existiert kein einzelnes Äquivalent für das englische „Survival”. Die Bundeswehr unterscheidet Überlebensfähigkeit (KdB §7.6, systemische Kapazität) von Durchhaltefähigkeit (KdB §7.5, organisatorische Ausdauer). Das BBK spricht von Selbstschutz – gesetzlich kodifiziert im ZSKG §1 als individuelle Vorsorge im staatlichen Rahmen. Die DLRG lehrt Selbstrettung als technische Eigenrettung im Wasser. Acht institutionelle Begriffe, wo das Englische einen einzigen hat. Die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV), ein Konsensussystem aus 45 Organisationen, zeigt: Im deutschen Kontext wird Überleben nicht nur als individueller Zustand verstanden, sondern als gesellschaftliche Aufgabe (Lasogga & Gasch, 2011). Der wissenschaftliche Blick auf den Survival-Begriff offenbart allerdings auch dessen Grenzen.

Grenzen und offene Fragen des Survival-Begriffs

Die Temporalitäts-Bedingung wirft eine unbeantwortete Frage auf: Wenn Survival den akuten, zeitlich begrenzten Zustand bezeichnet – was ist mit chronischen Krisen? Flucht, strukturelle Armut, langfristiger Ressourcenmangel passen nicht in die Dreierkonstellation. Der Begriff deckt die Extremsituation ab, nicht die langsame Erosion.

Quarantelli widerlegte über 450 Feldstudien den populären Panik-Mythos: In Katastrophen zeigen die meisten Menschen prosoziales Verhalten, nicht panische Flucht.

Die Titanic wird oft als Beleg für „Frauen und Kinder zuerst” zitiert. Elinder und Erixson (2012) analysierten 18 maritime Katastrophen mit über 15.000 Betroffenen und zeigten: Die Titanic war die Ausnahme. In den meisten Fällen hatten Frauen eine deutlich geringere Überlebenswahrscheinlichkeit.

Rauch, Brugger et al. (2024) dokumentierten, dass sich das Lawinen-Überlebensfenster von 18 auf etwa 10 Minuten verkürzt hat – möglicherweise durch klimabedingte Veränderungen der Schneedichte. Survival-Rahmenbedingungen sind nicht statisch. Die gesamte wissenschaftliche Grundlage des Begriffs stammt aus westlichen Institutionen: britische, amerikanische, skandinavische und deutschsprachige Forschung. Nicht-westliche Perspektiven auf Überleben unter Extrembedingungen – etwa aus indigenen Kulturen mit Jahrtausenden adaptiver Praxis – fehlen im akademischen Diskurs fast vollständig. Ebenso fehlt eine publizierte Taxonomie, die Survival-Subdomänen systematisch über Umgebungen und Kontexte hinweg klassifiziert (Stand 2026).

Kein einziges publiziertes Paper integriert den vollständigen zeitlichen Bogen von der Schreckreaktion bis zum psychogenen Tod.

Die Grundlagen verstehen heißt auch, die Lücken zu benennen. Wer den Zustand kennt, kann sich auf ihn vorbereiten. Survival Training beschreibt die Methodik, die genau darauf abzielt.

Häufige Fragen zu Survival

Ist Überleben Kopfsache?

Die Forschung legt nahe: Ja, primär. In akuten Krisensituationen handeln nur rund 10–15 % der Betroffenen effektiv, während die Mehrheit verzögert oder eingeschränkt reagiert (Leach, 1994). Kognitive Paralyse, nicht physisches Versagen, ist die häufigste Ursache für Handlungsunfähigkeit.

Gleichzeitig setzen physiologische Grenzen den Rahmen: Hypothermie kann in kaltem Wasser innerhalb einer Stunde lebensbedrohlich werden, Dehydration in heißem Klima nach ein bis zwei Tagen (Tipton, 2025). Psychologie und Physiologie wirken zusammen – die psychologische Handlungsfähigkeit entscheidet, wie effektiv ein Mensch seine physischen Ressourcen nutzt.

Wie lange überlebt man ohne Wasser?

Die pauschale „drei Tage”-Regel ist eine Merkformel, keine empirische Grenze. Tipton (2025) fasste den Forschungsstand zusammen: In heißem, trockenem Klima kann Dehydration bereits nach ein bis zwei Tagen tödlich verlaufen, in gemäßigtem Klima nach fünf bis sechs Tagen.

Kognitive Beeinträchtigung setzt bereits ab fünf Prozent Körpergewichtsverlust ein (Craig & Cummings, 1966). Die tatsächliche Überlebenszeit hängt von Temperatur, Aktivität, Körpermasse und Vorhydrierung ab.

Was ist der Unterschied zwischen Survival und Bushcraft?

Survival beschreibt einen unfreiwilligen Zustand akuter Lebensbedrohung mit dem Ziel der Rückkehr zu normalen Bedingungen. Bushcraft bezeichnet freiwillige, auf Dauer angelegte Fertigkeiten des Lebens in der Natur.

Der Auslöser unterscheidet beide Konzepte: Bedrohung gegenüber Eigeninitiative. Ein Mensch in einer Survival-Situation will heraus. Ein Mensch, der Bushcraft praktiziert, will bleiben.

Was ist die 10-80-10-Regel?

Der britische Survival-Psychologe John Leach beschrieb eine qualitative Verteilung menschlicher Reaktionen in akuten Krisensituationen: Rund 10–15 % der Betroffenen handeln effektiv, die Mehrheit reagiert eingeschränkt, und eine weitere Minderheit zeigt kontraproduktives Verhalten (Leach, 1994).

Diese Beobachtung ist eine deskriptive Heuristik, keine empirisch exakte Prozentzahl. Keine peer-reviewte Meta-Analyse hat die genauen Anteile bisher validiert. Die Verteilung verdeutlicht die zentrale Erkenntnis der Survival-Forschung: Nicht physische Grenzen, sondern kognitive Reaktionsmuster entscheiden in den meisten Fällen über Leben und Tod.

Quellenverzeichnis

Brugger, H. et al. (2013). Resuscitation of avalanche victims: Evidence-based guidelines of ICAR MEDCOM. Resuscitation, 84(5), 539–546. https://doi.org/10.1016/j.resuscitation.2012.10.020

Cannon, W.B. (1942). „Voodoo” Death. American Anthropologist, 44(2), 169–181.

Craig, F.N. & Cummings, E.G. (1966). Dehydration and muscular work. Journal of Applied Physiology, 21(2), 670–674.

Elinder, M. & Erixson, O. (2012). Gender, social norms, and survival in maritime disasters. Proceedings of the National Academy of Sciences, 109(33), 13220–13224. https://doi.org/10.1073/pnas.1207156109

Giesbrecht, G.G. (2000). Cold stress, near drowning and accidental hypothermia. Aviation, Space, and Environmental Medicine, 71(7), 733–752.

Kozlowska, K. et al. (2015). Fear and the defense cascade: Clinical implications and management. Harvard Review of Psychiatry, 23(4), 263–287. https://doi.org/10.1097/HRP.0000000000000065

Lasogga, F. & Gasch, B. (Hrsg.). (2011). Notfallpsychologie: Lehrbuch für die Praxis (2. Aufl.). Springer.

Leach, J. (1994). Survival Psychology. Palgrave Macmillan.

Leach, J. (2004). Why people ‘freeze’ in an emergency: Temporal and cognitive constraints on survival responses. Aviation, Space, and Environmental Medicine, 75(6), 539–542.

Leach, J. (2012). Maladaptive behavior in survivors: Dysexecutive survivor syndrome. Aviation, Space, and Environmental Medicine, 83(12), 1152–1161.

Leach, J. & Ansell, L. (2008). Impairment in attentional processing in a field survival environment. Applied Cognitive Psychology, 22(5), 643–652. https://doi.org/10.1002/acp.1385

Leach, J. (2018). ‘Give-up-itis’ revisited: Neuropathology of extremis. Medical Hypotheses, 120, 14–21. https://doi.org/10.1016/j.mehy.2018.08.009

13. Macintyre, A.G., Barbera, J.A. & Smith, E.R. (2006). Surviving collapsed structure entrapment after earthquakes: A „time-to-rescue” analysis. Prehospital and Disaster Medicine, 21(1), 4–17. https://doi.org/10.1017/S1049023X00003253

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15. Paal, P., Zafren, K., Brugger, H. & Lechner, R. (2020). Induced hypothermia to 4.2 °C with neurologically intact survival. Wilderness & Environmental Medicine, 31(2), 200–203. https://doi.org/10.1016/j.wem.2020.02.003

16. Quarantelli, E.L. (2008). Conventional beliefs and counterintuitive realities. Social Research, 75(3), 873–904.

17. Rauch, S., Brugger, H. et al. (2024). Avalanche survival rates in Switzerland, 1981–2020. JAMA Network Open, 7(9), e2435253. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2024.35253

18. Ressel, M. (2026). Begriffsdefinition Survival [Arbeitsdefinition]. Wildnisschule Lupus.

19. Shattock, M.J. & Tipton, M.J. (2012). ‘Autonomic conflict’: A different way to die during cold water immersion? Journal of Physiology, 590(14), 3219–3230. https://doi.org/10.1113/jphysiol.2012.229864

20. Tipton, M.J. (2025). The physiology of survival: Fluid and food. Experimental Physiology.

21. US Department of the Army. (2018). Survival (ATP 3-50.21). Washington, DC.

Zuletzt aktualisiert: April 2026

Maurice Ressel, Survival-Experte und Gründer der Wildnisschule Lupus
Über den Autor

Maurice Ressel ist ein deutscher Survival-Experte mit über 25 Jahren Survival-Praxis, Wildnispädagoge, Kriegs- und Krisenfotojournalist (IPA Award 2017) und Autor (Penguin Random House). In über 15 Jahren als Fotojournalist dokumentierte er humanitäre Krisen in 22 Ländern — darunter Kriegsgebiete wie Afghanistan und die Ukraine — und absolvierte 30+ Einsätze mit UNICEF, Ärzte ohne Grenzen und Cap Anamur, darunter sechs Monate bei den Waiãpi im brasilianischen Amazonas.

Die dabei erkannten Muster zur Handlungsfähigkeit unter Druck fasste er in dem Trainingsmodell Die Innere Ausrüstung zusammen. Er leitet die Wildnisschule Lupus in der Schorfheide (Brandenburg).

22 Krisenländer | 30+ Einsätze | IPA Award 2017 | Bekannt aus ZDF Terra X und CNN International


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