Glossar › Survival Training
Von Maurice Ressel, Survival-Experte – 15 Jahre Felderfahrung in 22 Krisenländern
Survival Training: Definition, Methoden und wissenschaftliche Einordnung
Survival Training bezeichnet die strukturierte Schulung praktischer Wildnisfertigkeiten und psychologischer Handlungsfähigkeit in Situationen akuter Lebensbedrohung. Die Disziplin vereint technische Kernkompetenzen – Schutz, Feuer, Wasser, Nahrung, Orientierung – mit wissenschaftlich fundierten Ansätzen der Stressbewältigung (Leach, 1994; Bandura, 1997). Ziel ist, Menschen zu befähigen, in Krisen nicht nur zu wissen was zu tun ist, sondern es unter Stress auch umzusetzen.
Survival Training auf einen Blick
Vier Kompetenzdimensionen bilden den Kern der Disziplin: technische Fachkompetenz, psychologische Handlungskompetenz, Führungs- und Sozialkompetenz sowie Adaptationskompetenz (Ressel, 2026).
Drei historische Traditionslinien prägen das heutige Survival Training: die militärische (SERE), die pädagogische (Hahn, Outward Bound) und die zivile Linie (Kochanski, Nehberg).
Wissenschaftlich fundiert auf Basis von Leach (Survival-Psychologie), Bandura (Selbstwirksamkeit), Frankl (Sinnkonstruktion) und Klein (Entscheidung unter Druck).
Abgrenzung zu Bushcraft, Prepping, SERE, Outdoor Education und Resilienztraining durch unterschiedliche Kontexte, Ziele und psychologische Anforderungen.
Skills-first: Technische Kompetenz und psychologische Handlungsfähigkeit sind gleichwertige Kernkomponenten – praktische Fertigkeiten stehen in Darstellung und Training an erster Stelle.
Was bedeutet Survival Training?
Survival Training ist eine strukturierte Instruktionsform, die Individuen befähigt, Leben, Gesundheit und kognitive Funktion unter Bedingungen von Isolation, Umweltextremität oder Krise aufrechtzuerhalten (ATP 3-50.21, 2018). Anders als populäre Darstellungen suggerieren, beschränkt sich die Disziplin nicht auf Feuerbohren und Shelterbau. Sie umfasst vier Kompetenzdimensionen:
Technische Fachkompetenz – Schutz, Feuer, Wasser, Nahrung, Orientierung, Erste Hilfe. Psychologische Handlungskompetenz – Handlungsfähigkeit unter Extremstress, Emotionsregulation, Entscheidungsfähigkeit. Führungs- und Sozialkompetenz – Gruppenleitung in Krisen, ethische Selbstverankerung unter Druck. Adaptationskompetenz – Übertragung erlernter Fähigkeiten auf neue Umgebungen und Bedingungen (Ressel, 2026).
Skills und Psychologie stehen gleichwertig nebeneinander. In der Praxis führen technische Fertigkeiten – Psychologie differenziert.
Das Ordnungsprinzip ist Both/And: Skills und Psychologie stehen gleichwertig nebeneinander. In der Praxis führen technische Fertigkeiten – wer Feuer machen, Schutz bauen und sich orientieren kann, gewinnt Handlungsspielraum. Psychologische Handlungsfähigkeit differenziert – sie entscheidet, ob diese Fertigkeiten unter Belastung abrufbar bleiben.
Die Beeinträchtigung ist keine Frage des Charakters: Unter akutem Stress verlangsamt sich die kognitive Verarbeitung, Entscheidungen werden verzögert oder ausgesetzt. Survival Training adressiert genau diese Diskrepanz zwischen Wissen und Handlungsfähigkeit.
Eine Analyse der 18 relevantesten Anbieter im DACH-Raum zeigt: Keiner integriert Krisenpsychologie systematisch in Definition oder Ausbildungsstruktur (Competitive Intelligence Report, 2026). Die Position ist unbesetzt.
Die Begriffswahl „Training” ist keine Zufälligkeit. Sportwissenschaftlich beschreibt Carl (1989, zit. in Weineck) Training als planmäßigen Handlungsprozess mit drei Merkmalen: Regelmäßigkeit, Systematik, Nachhaltigkeit. Die NATO (Bi-SCD 075-007, 2015) unterscheidet scharf zwischen Education als breiter Kompetenzentwicklung und Training als spezifischer Aufgabenbefähigung. SERE ist klar als Training klassifiziert.
In der einflussreichsten Taxonomie der Outdoor-Pädagogik (Priest, 1986) erscheint Survival Training als Aktivitätsform innerhalb von Adventure Education – gleichrangig mit Klettern und Kanufahren. Keine peer-reviewed Publikation ordnet es als eigenständige Disziplin ein. Diese Lücke ist dokumentiert. Die Arbeitsdefinition von Ressel (2026) schließt sie, indem sie erstmals technische Fertigkeiten, psychologische Handlungsfähigkeit, Führung und Adaptation in einem kohärenten Rahmen zusammenführt.
Professionelles Survival Training ist damit gleichzeitig aufgabenbezogene Befähigung im militärischen Sinne, systematische Kompetenzentwicklung im sportwissenschaftlichen Sinne und kontrollierte Stressinokulation im klinisch-psychologischen Sinne. Hinzu kommt der persönlichkeitsbildende Prozess in der Tradition Hahns. Diese Mehrfachverankerung erklärt, warum der Begriff bislang zwischen den Disziplinen fiel – und warum eine eigenständige Definition überfällig war.
Wie hat sich Survival Training historisch entwickelt?
Der Begriff kristallisierte sich zwischen 1944 und 1952 als militärischer Fachterminus heraus. Die früheste dokumentierte Verwendung stammt aus dem Air Forces Manual No. 21W „SURVIVAL ON LAND” (Juli 1944) der US Army Air Forces. MI9, die britische Geheimdiensteinheit unter Brigadier Norman Crockatt, verwendete hingegen „Escape and Evasion” – den inhaltlichen Grundstein, den die USA als „Survival” institutionalisierten.
Die militärische Linie
Der Koreakrieg (1950–1953) wurde zum Katalysator. Über 7.000 amerikanische Kriegsgefangene, fast 40 Prozent Mortalität und systemische Verwundbarkeit gegenüber Exploitation führten zu Präsident Eisenhowers Executive Order 10631 (1955), die den Code of Conduct etablierte und SERE eine rechtsverbindliche Grundlage gab (ATP 3-50.21, 2018). Die Formalisierung folgte zügig: USAF 1961, Navy 1962, Army 1963.
Colonel Nick Rowe, nach 62 Monaten vietnamesischer Kriegsgefangenschaft, konzipierte 1986 den ersten Army SERE Level C Kurs in Camp Mackall. Heute bildet die 336th Training Group in Fairchild AFB jährlich rund 17.000 Teilnehmer aus.
Die pädagogische Linie
Parallel formte John Deweys Experiential Learning (1938) – Lernen durch Erfahrung mit realen Konsequenzen – die theoretische Grundlage für alles, was folgte. Kurt Hahn und Lawrence Holt gründeten 1941 in Aberdyfi, Wales, die erste Outward-Bound-Schule. Hahns Leitgedanke war programmatisch: „Less training for the sea, than training through the sea.”
Paul Petzoldt gründete 1965 die National Outdoor Leadership School (NOLS) in Wyoming. Simon Priest schuf 1986 die Taxonomie, die Outdoor Education bis heute strukturiert.
Die zivile Linie
Die Boulder Outdoor Survival School (BOSS), 1968 von Larry Dean Olsen gegründet, formulierte die vollständigste zivile Philosophie: „Developing a survivor’s mindset is more valuable than mastering specific skills.” Im selben Jahr traf Mors Kochanski den RCAF-Instructor Tom Roycraft – eine personelle Brücke zwischen militärischem und zivilem Wissen.
Rüdiger Nehbergs „Die Kunst zu überleben” (ca. 1979) verankerte den englischen Begriff im deutschen Sprachraum. Ray Mears gründete 1983 die Woodlore School und lieferte die schärfste konzeptuelle Unterscheidung: Survival als Notfallkompetenz, Bushcraft als Naturkompetenz.
Was aus diesen getrennten Strängen an konkreten Methoden entstanden ist, zeigt sich in den vier Ansätzen, die Survival Training heute prägen.
Welche Methoden und Ansätze gibt es im Survival Training?
Die US-Armeedoktrin formuliert den Grundsatz, auf den sich alle Ansätze stützen: „Having survival skills is important; having the will to survive is essential” (FM 3-05.70, 2002). Die USAFA-Literatur konkretisiert: Rund 80 Prozent einer Survival-Situation seien mentaler Natur, 10 Prozent Ausrüstung, 10 Prozent technische Fertigkeiten (Macias, Leblanc & Reilly, Wilderness Medicine Textbook).
Technische Kernkompetenzen
Mehrere Systematiken ordnen die technischen Kernkompetenzen. Kochanski (1987) definierte sechs Crafts des Feldhandwerks. Canterbury (2014) verdichtete sie auf fünf Cs, das US Army FM 21-76 ordnet nach Survival Priorities. Gemeinsamer Kern: Schutz, Feuer, Wasser, Nahrung, Orientierung, Erste Hilfe und Werkzeughandwerk. Diese Fertigkeiten bilden die Äußere Schule des Survival Trainings.
Psychologische Trainingsmethodik
Die psychologische Trainingsmethodik basiert auf der Stressinokulation nach Meichenbaum (1985): kontrollierte, graduell steigende Belastung unter realistischen Bedingungen. 37 Studien mit 1.837 Teilnehmern belegen die Wirksamkeit im militärischen Kontext (Saunders et al., 1996). Eine direkte Wilderness-Studie existiert nicht – die Transfer-Evidenz stützt sich auf strukturelle Ähnlichkeit der Trainingskontexte.
John Leach beschrieb 2012 das Dysexecutive Survivor Syndrome: Initiativverlust, Stereotypie und Hypokinese als Störung des Supervisory Attentional System. Gary Kleins Recognition-Primed Decision Model (1998) erklärt, wie trainierte Personen unter Extremstress durch automatisierte Mustererkennung schnelle Entscheidungen treffen.
Das Trainingsmodell Die Innere Ausrüstung integriert beide Schulen: fünf Dimensionen verbunden mit praktischen Wildnisfertigkeiten.
Das Trainingsmodell Die Innere Ausrüstung (Ressel, 2026) integriert beide Schulen systematisch. Es verbindet fünf Dimensionen – Stabilität, Klarheit, Charakter, Tiefe, Handeln – mit praktischen Wildnisfertigkeiten. Das Modell steht stellvertretend für den Ansatz, Psychologie nicht als Zusatz, sondern als gleichwertigen Trainingsbestandteil zu behandeln.
Progression
Professionelle Progression orientiert sich am Dreyfus-Modell (1986): von Awareness über Foundation und Competent zu Proficient und Expert. Im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) entspricht dies den Niveaus 3 bis 6. Entscheidend ist nicht die Anzahl absolvierter Kurse, sondern der nachweisbare Kompetenzzuwachs unter steigender Belastung.
Stufe 3 (Competent) bedeutet konkret: mehrtägige Aufenthalte selbstständig planen, Techniken an veränderte Bedingungen anpassen und unter Zeitdruck Evakuierungsentscheidungen treffen. Ab dieser Stufe wird Erfolg und Misserfolg persönlich erlebt – der Übergang von angeleiteter Übung zu eigenverantwortlichem Handeln.
Worin unterscheidet sich Survival Training von Bushcraft, Prepping und anderen Konzepten?
Survival Training ist eine eigenständige Disziplin mit spezifischem Kontext, Methodik und Zielsetzung. Die Abgrenzung zu verwandten Konzepten verdeutlicht diese Eigenständigkeit.
| Kriterium | Survival Training | Bushcraft | Prepping | SERE | Outdoor Education |
|---|---|---|---|---|---|
| Kontext | Akute Bedrohung (real oder simuliert) | Freiwilliger Naturaufenthalt | Vorsorge für Katastrophen | Militärisch, Gefangenschaft | Pädagogisch, Naturerlebnis |
| Ziel | Handlungsfähigkeit in Krisen | Komfortables Leben mit der Natur | Autarkie und Vorratshaltung | Überleben, Widerstand, Flucht | Persönlichkeitsentwicklung |
| Psychologie-Anteil | Kernkomponente (Both/And) | Gering (Gelassenheit) | Gering (Planung) | Hoch (militärisch standardisiert) | Mittel (pädagogisch gerahmt) |
| Freiwilligkeit | Simuliert unfreiwillig | Vollständig freiwillig | Freiwillig (Vorsorge) | Befehlsstruktur | Freiwillig |
| Progression | Systematisch (DQR-orientiert) | Individuell, informell | Keine formale Struktur | Standardisiert (militärisch) | Zertifiziert (pädagogisch) |
Bushcraft unterscheidet sich von Survival Training durch den freiwilligen Charakter und die Abwesenheit einer Bedrohungslage. Während Survival Training auf schnelle Handlungsfähigkeit unter Stress abzielt, betont Bushcraft handwerkliche Perfektion über längere Zeiträume (Kochanski, 1987).
Prepping konzentriert sich auf materielle Vorsorge, nicht auf Feldkompetenz. SERE-Training teilt die psychologische Tiefe, operiert aber innerhalb militärischer Befehlsstrukturen und adressiert Szenarien wie Gefangenschaft. Resilienztraining ist rein psychologisch – ohne Feldbezug und ohne technische Komponente.
Alle genannten Konzepte haben Berechtigung in ihrem jeweiligen Kontext. Die Abgrenzung dient der begrifflichen Klarheit, nicht der Bewertung.
Wo wird Survival Training angewendet?
Survival Training findet in vier Kontexten Anwendung: militärisch, zivil, humanitär und professional.
Im militärischen Bereich ist Survival Training seit den 1940er Jahren institutionalisiert. SERE-Programme bereiten Soldaten auf Überleben, Ausweichen, Widerstand und Flucht vor. Die Bundeswehr bildet Einzelkämpfer aus, NATO-weit gelten Personnel-Recovery-Standards (FM 21-76).
Zivile Anbieter richten sich an Privatpersonen, die Feldkompetenz und Handlungsfähigkeit aufbauen wollen. Das Spektrum reicht von Tageskursen bis zu mehrmonatigen Ausbildungen.
Im humanitären Kontext bereiten Organisationen ihr Personal auf Einsätze in Krisengebieten vor – technische Fertigkeiten und Stressregulation sind dort keine Freizeitbeschäftigung, sondern operative Notwendigkeit.
Im Unternehmenskontext nutzen Organisationen Survival Training als Instrument der Führungskräfteentwicklung. Die National Outdoor Leadership School (NOLS) publizierte 2012 in der Harvard Business Review fünf Prinzipien expeditionsbasierter Führung, darunter die gleichzeitige Ausübung von vier Rollen: designated leader, active follower, peer leader und self-leader (Kanengieter & Rajagopal-Durbin, 2012). Der Transfer funktioniert, weil Wildnis-Szenarien etwas erzeugen, das Seminarräume nicht liefern: reale Konsequenzen bei unvollständiger Information und begrenzter Zeit. Wer im Feld unter Druck Entscheidungen trifft, baut eine Erfahrungsbasis auf, die über kognitive Modelle hinausgeht.
Kritische Betrachtung: Was Survival Training leisten kann – und was nicht
Die in diesem Eintrag dargestellte Arbeitsdefinition (Ressel, 2026) ist eine wissenschaftlich fundierte Synthese, keine wissenschaftliche Definition im akademischen Sinne. Die Einzelkomponenten – Stressinokulation (Meichenbaum, 1985), Selbstwirksamkeit (Bandura, 1977), Recognition-Primed Decision Making (Klein, 1998) – sind empirisch belegt. Das Gesamtmodell hat keine unabhängige akademische Validierung durchlaufen.
Sanli und Carnahan (2018) fanden in einem systematischen Review, dass motorische Fertigkeiten aus mehrtägigen Trainings maximal sechs Monate retendiert werden. Eine niederländische Studie zu militärischen Lebensrettungsfertigkeiten zeigte 5 Prozent Leistungsabfall nach zwei Monaten und 14 Prozent nach sechs Monaten.
Eine Studie der Canadian Armed Forces (Johnson et al., 2017) zur viertägigen Captivity-Simulation zeigte: Die psychologischen Effekte des Trainings sind signifikant, aber nach Trainingsende reversibel. Gedächtnisleistung blieb selbst unter Extremstress stabil.
Survival Training ist kein Ersatz für therapeutische Intervention. Es garantiert kein Überleben. Trainierbarkeit hat individuelle Grenzen – physiologische, psychologische und situative.
Ein strukturelles Problem des Marktes: Im zivilen Bereich existieren keine standardisierten Curricula und keine verpflichtende Trainerqualifikation. Die Qualität der Angebote variiert erheblich. Begriffe wie „Survival Training” sind nicht geschützt. Das macht begriffliche Klarheit nicht nur akademisch relevant, sondern praktisch notwendig.
Häufige Fragen zu Survival Training
Was ist der Unterschied zwischen Survival Training und Bushcraft?
Survival Training bereitet auf unfreiwillige Bedrohungslagen vor und trainiert Handlungsfähigkeit unter Stress. Bushcraft ist der freiwillige Aufenthalt in der Natur mit dem Ziel, Wildnishandwerk zu erlernen.
Der Kernunterschied liegt im Auslöser: Survival Training setzt bei akuter Bedrohung an, Bushcraft beginnt aus Eigeninitiative ohne Notlage. Beide teilen technische Kernkompetenzen wie Feuer, Schutz und Wassergewinnung, unterscheiden sich aber fundamental in Kontext, Zeitdruck und psychologischer Belastung.
Ist Survival Training wissenschaftlich fundiert?
Die Trainingsmethoden basieren auf empirisch belegten Modellen: Stressinokulation (Meichenbaum, 1985), Selbstwirksamkeitstheorie (Bandura, 1977), Recognition-Primed Decision Making (Klein, 1998).
Survival-Psychologie stützt sich auf Leachs Forschung zu kognitiven Funktionen unter Extremstress (2004). Die Synthese dieser Modelle ist als Arbeitsdefinition einzuordnen. Evidenzstufe 4: wissenschaftlich fundiert, nicht klinisch validiert.
Für wen ist Survival Training geeignet?
Für alle, die Handlungsfähigkeit unter Belastung aufbauen wollen. Einstiegsformate setzen keine Mindestfitness voraus.
Die Progression von Awareness bis Expert ermöglicht individuellen Einstieg auf jedem Niveau. Das Spektrum reicht von Tageskursen für Einsteiger bis zu mehrmonatigen Ausbildungen für angehende Professionals.
Was lernt man bei einem Survival Training?
Technische Kernkompetenzen: Schutzbau, Feuertechnik, Wassergewinnung, Nahrungsbeschaffung, Orientierung und Erste Hilfe. Darüber hinaus psychologische Handlungsfähigkeit unter Stress – die Fähigkeit, erlernte Fertigkeiten auch dann abrufen zu können, wenn kognitive und physische Belastung gleichzeitig einwirken.
Vier Kompetenzdimensionen strukturieren den Lernprozess: technisch, psychologisch, Führung und Adaptation.
Wie lange hält das Gelernte an?
Motorische Fertigkeiten aus mehrtägigen Trainings werden maximal sechs Monate retendiert (Sanli & Carnahan, 2018). Deklaratives Wissen hält länger, komplexe Aufgaben verfallen schneller als einfache.
Nachhaltige Kompetenz erfordert Wiederholung. SERE-Auffrischungskurse sind in vielen Streitkräften Pflicht. Im zivilen Bereich fehlt diese Struktur – regelmäßiges Üben ist kein optionaler Zusatz, sondern integraler Bestandteil der Ausbildung.
Warum ist Psychologie ein Teil von Survival Training?
Weil Wissen allein nicht schützt. John Leach dokumentierte, dass in Krisensituationen nur eine Minderheit effektiv handelt. Kognitive Paralyse, nicht fehlendes Wissen, ist die Hauptursache für Handlungsunfähigkeit unter Extremstress (Leach, 2004).
Die US-Armeedoktrin formuliert: „Having survival skills is important; having the will to survive is essential” (FM 3-05.70, 2002). Skills ohne psychologische Handlungsfähigkeit sind Theorie. Psychologie ohne Skills ist Hoffnung. Beides zusammen ist Survival Training.
Eignet sich Survival Training für Teams und Führungskräfte?
Ja. Die National Outdoor Leadership School (NOLS) identifizierte fünf Prinzipien expeditionsbasierter Führung, die direkt in den Unternehmenskontext transferieren (Harvard Business Review, 2012). Wildnis-Szenarien erzeugen, was Seminarräume nicht liefern können: reale Konsequenzen bei unvollständiger Information und begrenzter Zeit.
Im Feld zeigt sich Teamdynamik unverstellter als in jeder Workshop-Simulation. Wer gemeinsam Schutz baut, Feuer macht und unter Zeitdruck entscheidet, erfährt die eigene Führungsrolle und Gruppendynamik mit einer Unmittelbarkeit, die kein Planspiel herstellt. Der Transfer auf den Berufsalltag liegt in der Erfahrung selbst: Entscheidungsfähigkeit unter Druck, Kommunikation ohne Rückfallebene und Verantwortung mit sichtbaren Konsequenzen.
Quellenverzeichnis
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Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84(2), 191–215.
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US Air Forces Manual No. 21W (1944). SURVIVAL ON LAND. US Army Air Forces.
Zuletzt aktualisiert: März 2026


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