Glossar › Prepping vs. Krisenvorsorge

Von Maurice Ressel, Survival-Experte – 15 Jahre Felderfahrung in 22 Krisenländern

Prepping vs. Krisenvorsorge: Unterschied, Definition und Einordnung

Prepping und Krisenvorsorge werden im alltäglichen Sprachgebrauch häufig gleichgesetzt – die Begriffe beschreiben jedoch unterschiedliche Konzepte in einem hierarchischen Verhältnis. Krisenvorsorge ist der institutionelle Dachbegriff für alle Maßnahmen, die Handlungsfähigkeit in Krisen sichern. Prepping bezeichnet eine subkulturelle Ausprägung privater Vorsorge, die über behördliche Empfehlungen hinausgeht.

Prepping ist eine Teilmenge von Krisenvorsorge – nicht umgekehrt.

Prepping vs. Krisenvorsorge auf einen Blick

Krisenvorsorge umfasst alle staatlichen, organisationalen und privaten Maßnahmen zur Sicherung von Handlungsfähigkeit in Krisen und Katastrophen.

Prepping ist eine subkulturelle Teilmenge davon – mit eigenem Szene-Selbstverständnis und anglisiertem Jargon, seit 2020 im Duden verzeichnet.

Das BBK empfiehlt 10 Tage Selbstversorgung als Minimum. Prepper kalkulieren drei Monate oder mehr (Genner, 2021). Die Differenz ist nicht nur quantitativ.

Seit 2020 verschiebt sich die Grenze: Verhalten, das zuvor als Prepping galt, wird zunehmend staatlich empfohlen.

In Deutschland trägt Prepping eine zusätzliche kulturelle Last durch dokumentierte Verbindungen einzelner Netzwerke zu rechtsextremen Milieus.

Was unterscheidet Krisenvorsorge von Prepping?

10 Tage Trinkwasser, Medikamente, Dokumente, ein batteriebetriebenes Radio – der Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen” (BBK, 2025) definiert, was das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe unter persönlicher Krisenvorsorge versteht. Krisenvorsorge ist dabei kein kodifizierter Fachbegriff: Das BBK nutzt Selbstschutz, Notfallvorsorge und Bevölkerungsschutz als technische Termini. Der kommunikative Dachbegriff Krisenvorsorge umfasst alle Maßnahmen von Staat, Hilfsorganisationen und Privatpersonen, die Handlungsfähigkeit in Krisen sichern sollen.

Prepping kalkuliert in anderen Zeiträumen. Wo das BBK 10 Tage empfiehlt, planen Prepper mit drei Monaten oder mehr. Der Duden nahm den Anglizismus 2020 auf und markiert ihn als Jargon – ein lexikographischer Hinweis auf die Szene-Gebundenheit des Begriffs (Duden, 2020). Der Kulturanthropologe Julian Genner beschreibt Prepping als Praxis, die zwischen Bürgerpflicht und Staatsskepsis oszilliert und alle Lebensbereiche prägt (Genner, 2021). Vorbereitung wird zur Identität.

Alle Prepper betreiben Krisenvorsorge – aber nicht jeder, der Krisenvorsorge betreibt, ist ein Prepper.

Das Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) ordnet das Phänomen in einer Vier-Stufen-Typologie ein. Das Spektrum reicht von staatlich empfohlener Basisvorsorge über erweiterte private Vorsorge und subkulturelles Prepping bis zu rechtsextrem motiviertem Prepping.

Kriterium Krisenvorsorge Prepping
Träger Staat, Hilfsorganisationen, Bürger Einzelpersonen, informelle Netzwerke
Zeithorizont 10 Tage (BBK-Empfehlung 2025) 3+ Monate, teils auf Autarkie ausgelegt
Krisenbild Temporäre Störung, Staat greift Langfristiger Ausfall staatlicher Strukturen
Verhältnis zum Staat Komplementär: Eigenvorsorge entlastet Einsatzkräfte Ambivalent: zwischen Pflichtbewusstsein und Misstrauen

Im März 2020 verschob sich die Grenze abrupt. COVID-19-bedingte Hamsterkäufe, dann der Ukraine-Krieg, dann die Energiekrise – innerhalb von zwei Jahren wurde das BBK-Ratgeber-Druckexemplar nicht lieferbar. Eine repräsentative BBK-Erhebung (2024/2025) zeigt die Handlungslücke: 46 Prozent der Befragten sehen sich selbst in der Verantwortung für Krisenvorsorge. Konkret umgesetzt hat Maßnahmen nur knapp ein Drittel.

Häufig gestellte Fragen zu Prepping und Krisenvorsorge

Ist Prepping dasselbe wie Krisenvorsorge?

Nein. Krisenvorsorge ist der institutionelle Dachbegriff, der alle Vorbereitungsmaßnahmen umfasst – von der staatlichen Katastrophenschutzplanung bis zum privaten Notvorrat. Prepping bezeichnet eine spezifische, subkulturell geprägte Ausprägung innerhalb dieses Spektrums.

Wo Krisenvorsorge pragmatisch bleibt, formt Prepping eine Lebenshaltung mit eigenem Krisenbild und Szene-Zugehörigkeit.

Bin ich ein Prepper, wenn ich einen Notvorrat habe?

Nicht automatisch. Das BBK empfiehlt allen Bürgerinnen und Bürgern einen Vorrat für mindestens 10 Tage – das ist institutionell empfohlene Eigenvorsorge, kein Prepping.

Die Grenze verläuft dort, wo Vorsorge deutlich über behördliche Empfehlungen hinausgeht und ein eigenes Krisenbild zugrunde liegt. Genner (2021) beschreibt diesen Übergang als Schritt von der Maßnahme zur Identität.

Warum hat Prepping in Deutschland einen schlechten Ruf?

Dokumentierte Verbindungen zwischen deutschen Prepper-Netzwerken und rechtsextremen Gruppen haben den Begriff stärker stigmatisiert als im angloamerikanischen Raum. Der Duden markiert „preppen” als Jargon.

Seit COVID-19, dem Ukraine-Krieg und der Energiekrise verschieben sich die Konnotationen: Mainstream-Medien und BBK-Kampagnen rücken private Krisenvorsorge zunehmend in ein sachliches Licht.

Quellenverzeichnis

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) (2025). Vorsorgen für Krisen und Katastrophen. Ratgeber, Bonn. bbk.bund.de

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) (2024/2025). Stärkung der Handlungsfähigkeit der Bevölkerung in Krisen. Repräsentative Telefonbefragung, November 2024 – Januar 2025. bbk.bund.de

Dudenredaktion (2020). Prepping. In: Duden – Die deutsche Rechtschreibung, 28. Auflage. Bibliographisches Institut, Berlin. duden.de

Genner, J. (2021). Preppen. Private Krisenvorsorge zwischen Bürgerpflicht, Lebensstil und Staatsskepsis. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) 10–11/2021, S. 29–34. Bundeszentrale für politische Bildung. bpb.de

Zuletzt aktualisiert: März 2026

Maurice Ressel, Survival-Experte und Gründer der Wildnisschule Lupus
Über den Autor

Maurice Ressel ist ein deutscher Survival-Experte mit über 25 Jahren Survival-Praxis, Wildnispädagoge, Kriegs- und Krisenfotojournalist (IPA Award 2017) und Autor (Penguin Random House). In über 15 Jahren als Fotojournalist dokumentierte er humanitäre Krisen in 22 Ländern — darunter Kriegsgebiete wie Afghanistan und die Ukraine — und absolvierte 30+ Einsätze mit UNICEF, Ärzte ohne Grenzen und Cap Anamur, darunter sechs Monate bei den Waiãpi im brasilianischen Amazonas.

Die dabei erkannten Muster zur Handlungsfähigkeit unter Druck fasste er in dem Trainingsmodell Die Innere Ausrüstung zusammen. Er leitet die Wildnisschule Lupus in der Schorfheide (Brandenburg).

22 Krisenländer | 30+ Einsätze | IPA Award 2017 | Bekannt aus ZDF Terra X und CNN International


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