Was ist Bushcraft? Was verbirgt sich hinter dem Begriff ? Wie ist er entstanden? In welchem Kontext wird er heute genutzt und was unterscheidet ihn vom Survival? Ich möchte euch mit diesem Artikel ausführliche Antworten auf diese Fragen geben. Dieser Text ist eine Zusammenfassung der Doktorarbeit von Lisa Fenton. Mit dem Titel Ihrer Arbeit „‘Bushcraft’ and ‘Indigenous Knowledge’: transformations of a concept in the modern world“ verfasst Lisa Fenton den wohl umfangreichsten wissenschaftlichen Text zur Geschichte des Bushcraft.  Dabei beschreibt sie ausführlich die Transformation des indigenen Wissens von den Kolonialmächten zur militärischen Verwendung, bis zur heutigen Wildnispädagogik. Dieser Text ist die detaillierteste Beschreibung der Geschichte des Bushcraft im deutschsprachigen Raum. Viel Spaß beim Lesen!

Ein Teilnehmer im Wald zeigt und was Bushcraft ist? Sich aus der Natur ernähren zu können.

Bushcraft ist das Wissen über die Natur, das es dir ermöglicht, in gewissem Maße sicher in der Natur zu reisen, dich zu ernähren und dich zu behaupten. Es ist das Wissen, das unsere Vorfahren hatten; es ist das Wissen der First Nations, Wissen, das nicht nur uralt ist, sondern auch modern sein kann, neues Wissen, neues Verständnis, also eine Verschmelzung von alt und neu. Aber im Kern ist es Liebe und Verständnis gegenüber der Natur. (Iromoto 2015)

Das Wort Bushcraft und die Europäischen Kolonien

Das Wort Bushcraft wird bis zum Jahre 1901 kaum in der Literatur genutzt. Der Begriff selber ist jedoch viel älter und geht zurück auf die frühen europäischen Handels- und Erkundungsreisen. Der Begriff „Bush“ und seine verwandten Begriffe haben eine besondere Verbindung zu den europäischen Kolonien Australien, Neuseeland, Kanada, Alaska und Südafrika, die damals auch „Neo-Europa“ genannt wurden. Der Begriff „Bush“ wurde zuerst im australischen Englisch verwendet, um die Wildnis außerhalb der bebauten kolonialisierten Bereiche des britischen Königreiches zu bezeichnen.

Handelsfregatte 1820. Gemälde von Lüder Arenhold nach englischen Zeichnungen 1891

Die kulturellen Ursprünge des Begriffes sind sehr vielfältig und haben ihre Wurzeln im indigenen Wissen, das sich die Europäer im Zuge ihres militärischen und kommerziellen Kolonialismus neu aneignen mussten, um ihre expansionistischen Ziele zu erreichen. Die Entwicklung von überlebenswichtigen Fähigkeiten wurde notwendig, um abgelegene „wilde“ und unbekannte Gebiete in Besitz zu bringen. Militärische Operationen mussten die Kolonialmächte schon damals mit einem Minimum an Ausrüstung durchführen. Aufgrund der heftigen militärischen Zusammenstöße mit den Ureinwohnern wurde das „Bushcraft“ essenziell, um mit minimalen Ressourcen in unbekannten Gebieten zu überleben.

Das alte Wissen der Naturfölker wird in einer Gesellschaft durch Traditionen, als Mythos, in Geschichte, Kunst, Musik und Weisheiten weitergegeben. Leider ging das traditionelle Wissen in Europa durch fünfzehnhundert Jahre staatlich erzwungene, christlich-jüdische Orthodoxie verloren. Die Kolonialmächte eigneten sich das Wissen um den Umgang mit der Natur bei der Ausbeutung der indigenen Völker als Selbstzweck wieder an.

Die Massenpopularisierung des Begriffes erfolgte erst um das Jahr 2000 durch den Überlebenstrainer und Naturexperten Ray Mears aus Großbritannien. Durch seine Medienauftritte und seine Bücher wurde der Begriff „Bushcraft“ weltweit gefestigt und führte dazu, dass Ray Mears hierfür ein Synonym wurde.

Die europäische Expansion in den Rest der Welt, die intellektuellen Entwicklungen der Aufklärung, sowie neue Wissenschaften und Philosophien brachten eine neue Sicht auf die Welt hervor. Es verstärkte sich die Kluft zwischen den Ureinwohnern dieser Welt und den Europäern. Gegensätzliche Beschreibungen von Natur/Kultur, Geist/Körper, primitiv/zivilisiert, ungebildet/gebildet wurden in dieser Zeit geprägt, die unser Denken und Handeln noch heute tief durchdringen.

Es war der Brite Frances Galton, der 1855 das erste Buch dieser Art herausbrachte, eine bahnbrechende Publikation: „The Art of Travel“.

Die Zunahme der wissenschaftlichen Expeditionsreisen führte zu einem wachsenden Medieninteresse an Geschichten über das Überleben und Abenteuer in der unbekannten Welt. In der Literatur des frühen 19. Jahrhunderts tauchte, beflügelt durch Heldengeschichten der kolonialen Entdecker, die erste „Überlebensliteratur“ auf, mit dramatischen Berichten über entsetzliches Leid, angeblich wahre Geschichten von Schiffswrackopfern, Meutereien, Gefangenschaften, Schiffbrüchigen, Verlassenen, „wilden Stämmen“ und von Barbaren gehaltenen Geiseln. Diese Geschichten waren damals ebenso populär wie heute. Daniel Defoe´s „Robinson Crusoe“ (1719) ist eines der meist gelesenen Bücher aller Zeiten. Diese frühe Literatur zeigt ein verklärtes und arrogantes Weltbild. Die Kolonialmächte setzten sich an die Spitze der „Zivilisation“ und die Ureinwohner ans Ende der „evolutionären Skala“.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Zugang zu wilden Orten von einer neuen literarischen Entwicklung begleitet. Die ersten realistischen „Feldhandbücher“ für das Leben und Überleben in fremden Regionen wurden publiziert. Es war der Brite Frances Galton, der 1855 das erste Buch dieser Art herausbrachte, eine bahnbrechende Publikation: „The Art of Travel“. Nur ein Jahr später veröffentlichte der US-Soldat Captain Randolph Barnes Marcy seinen Bestseller „The Prairie Traveller“. Diese Handbücher wurden für Militärangehörige, wie auch für interessierte Zivilisten geschrieben.

Diese Literatur brachte wiederum zwei weitere Strömungen hervor. Zum einen die militärisch geprägte „Fieldcraft“ regulärer Truppen oder Guerillabewegungen, zum anderen die sentimentale Sicht der Naturwissenschaftler und Entdecker. Im frühen zwanzigsten Jahrhundert kamen zivile Strömungen hinzu, die sich stark der Jugendbildung widmeten. Dies waren Ernest Thompson Seton‘s „Woodcraft“, das sich um eine „Rückbesinnung auf die Natur“ bemühte, sowie Baden Powell‘s militärisches „Scouting“, das eher die Zähmung und Eroberung der Natur zum Ansatz hat.

Überlebensfähigkeit – Survival

Während des gesamten zwanzigsten Jahrhunderts war die Fähigkeit, in abgelegenen Gebieten mit wenigen Mitteln zu überleben, ein extrem wichtiges Knowhow nicht nur für das britische und amerikanische Militär. Durch neue Waffentechnologien wie das Maschinengewehr, Artillerie und Flugzeuge wurden militärische Aufklärungsaktionen von Scouts fast überflüssig. Heute werden diese Techniken nur noch von Scharfschützen und Spezialeinheiten benötigt.

So entwickelten sich neue Bedürfnisse, wie die Survival Handbücher für Piloten, deren Flugzeuge in abgelegenen, unbekannten Regionen abgeschossen werden könnten; diese Männer und Frauen mussten wissen, wie sie mit den verfügbaren natürlichen Ressourcen bis zur Rettung überleben oder mit den Fähigkeiten des Survival in die Zivilisation zurückfinden können. Diese Handbücher basierten auf dem Wissen indigener Völker.

Astronauten der NASA nehmen an einem Überlebenstraining in den Tropen auf der Albrook Air Force Base in der Canal Zone teil.

„Ich möchte ein Teil der Natur sein, kein Zuschauer, der nur zu Besuch kommt. Kein Tourist, weil wir alle Touristen in der Natur sind. Die Menschen besuchen die Natur, sind aber nicht Teil von ihr. Ein Teil der Natur zu sein, bedeutet völlig nackt zu sein, ohne moderne Technologie, mit nichts, ein wahres menschliches Tier in der Wildnis. Wir haben unsere Fähigkeit verloren, so in der Natur zu leben, also müssen wir Technologien annehmen, die uns zu einem Touristen in der Natur machen. Aber wenn wir alte Fähigkeiten wieder neu erlernen, können wir in die Natur gehen und eins mit dieser Umgebung, ein Teil von ihr werden. Wir werden dann erst wieder menschlich.“ (Dale Collett 2014)

Der Unterschied zwischen Bushcraft und Survival

Der Wunsch nach „Verbindung mit der Natur“, rückverfolgbar auf das „Woodcraft“ von Ernest Thompson Seton, markiert einen ideologischen Kernpunkt und hiermit einen wesentlichen Unterschied der beiden Richtungen. Das „Survival“ teilt mit Bushcraft das Engagement für die Eigenständigkeit in der Natur, unterscheidet sich jedoch in Bezug auf das zweite Kernideal von Bushcraft: den Wunsch nach Naturverbundenheit.

In der zeitgenössischen Buschhandwerkspraxis wird ein bestimmter Ort in der natürlichen Welt gesucht und besiedelt. Im Überlebenskampf des „Survival“ wird die Natur als ein feindseliger Ort angesehen, der gezähmt oder erobert werden muss und in dem man überwältigt werden kann. Das Konzept der Zähmung oder Eroberung verfolgt demnach die Rückkehr zur Zivilisation oder die Wiederherstellung eines zivilisierten Raums.

Anders ausgedrückt, Bushcraft und Survival teilen die Selbstbestimmtheit in der Natur, die beherrschenden Motive unterscheiden sich jedoch grundsätzlich. Bei Bushcrafting geht es um die Freude an der Natur, beim Survival um die Angst vor einer feindlichen Welt. Diese Unterscheidung von Angst und Freude schafft eine grundlegende Polarität zwischen den beiden Ansätzen, in der natürlichen Welt zu leben und zu sein.
Letzten Endes nutzt das Survival das „Selbstvertrauen“, um der ungezähmten wilden Natur zu entfliehen und zu einem neuen Leben in einem „zivilisierten“ Staat zurückzukehren, während Bushcraft „Selbstvertrauen“ nutzt, um sich von der Zivilisation zurückzuziehen.

WATSON stellt die Begriffe Bushcraft und Survival in ihren extremsten Ausprägungen gegenüber:

BushcraftSurvival
Langfristiges LebenKatastrophe überwinden
Du gehst verantwortungsbewusst mit Ressourcen um, damit es für morgen welche gibtDu verwendest alles, was du finden kannst, um deine unmittelbaren Bedürfnisse zu stillen
Vertrauen in die verfügbaren RessourcenDu kämpfst darum, das die Umwelt so ist, wie du sie benötigst
NützlichkeitManipulation
Du konzentrierst dich auf natürliche RessourcenDu verlässt dich nach Möglichkeit auf künstliche Ausrüstung
Du arbeitest mitDu kämpfst gegen
Inspiriert Bewusstsein und KreativitätNormalerweise destruktiv aufgrund von Verzweiflung

Lernt zu leben und damit umzugehenRuft extreme Charakterzüge hervor
Es basiert auf HoffnungEs kämpft mit Angst
Letztendlich nachhaltigLetztendlich nicht nachhaltig

Handwerkliche Fähigkeiten  – Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit

Zwei Teilnehmer beim gemeinschaftlichen Arbeiten! Denn Bushcraft bedeutet sich aus der Natur die benötigten Dinge bauen zu können!

In der modernen Welt hat die Rückbesinnung auf die Natur und das bewusste Reduzieren von Technik im Alltag eine stark spirituelle und/oder politische Komponente. Im Zeitalter des technischen Fortschritts und eines Rückgangs menschlicher Sinne durch die Überflutung mit Informationen und Medien, tritt das Bushcrafting als eine Art Gegenbewegung und Rückbesinnung auf.

Ein Leitsatz des modernen Bushcrafting ist: „Je mehr wir wissen, desto weniger tragen wir“ (Karamat Wilderness Ways 2016). Dies bedeutet nicht nur, dass weniger im Rucksack getragen wird, sondern auch eine Verweigerung der Technologie und der Abhängigkeit von Systemen, die sie produzieren.

Garrett & Alexandra Conover berichteten 2016, dass „High-Tech-Camper durch die Art ihrer Ausrüstung von der direkten Verbindung mit der Umwelt isoliert sind … im Wesentlichen sind sie Besucher und privilegierte Außerirdische in freier Wildbahn.“ Wer mit High-Tech-Ausrüstung und Materialien, die er selber nicht reparieren kann, in die Natur geht, kapselt sich selber von den Prozessen der Natur ab. Er verlässt sich vollkommen auf seine Ausrüstung und ist verloren, wenn sie kaputt geht. Er hat weder das Wissen um die Prozesse in der Natur, noch hat er die Fähigkeit, kaputt gegangenes Material aus der Natur selber herzustellen.

Das vielseitigste aller Bushcrafting-Werkzeuge ist das Messer. Nur mit einem scharfen Schneidwerkzeug ausgerüstet,  in der freien Natur das Essenzielle selber herstellen zu können, ist die Königsdisziplin des Bushcrafting und des Survival. Hierzu werden alle Sinne und Fähigkeiten angesprochen. Der Messereinsatz erfordert langes Training, sowie ein starkes Bewusstsein gegenüber sich selbst und den Dingen dort draußen. Hierdurch entsteht eine Unabhängigkeit und direkte Verbindung zur eigenen Existenz und zur Natur.

Ein Leitsatz des modernen Bushcrafting ist: „Je mehr wir wissen, desto weniger tragen wir“ (Karamat Wilderness Ways 2016). Dies bedeutet nicht nur, dass weniger im Rucksack getragen wird, sondern auch eine Verweigerung der Technologie und der Abhängigkeit von Systemen, die sie produzieren. Durch das Wiedererlangen der alten handwerklichen Fähigkeiten wird eine neue Selbstbestimmtheit gefördert.

Der Bushcrafting Experte Ray Mears sagt: „Auch wenn ich mit einem offenen Kanu unterwegs bin, muss ich trotzdem leicht reisen und muss selbstständig sein. Dinge können schief gehen; du kannst Ausrüstung verlieren und Sachen können brechen. Du musst in der Lage sein, „zu heilen und zu handeln“ um die Dinge wieder reparieren oder ersetzen zu können … das ist alles Bushcraft.“

Der Messerschmied Dale Collett sagte in einem Interview 2014: „Ich möchte ein Teil der Natur sein, kein Zuschauer, der nur zu Besuch kommt. Kein Tourist, weil wir alle Touristen in der Natur sind, die Menschen besuchen die Natur, sind aber nicht Teil von ihr. Um ein Teil der Natur zu sein, bedeutet es völlig nackt zu sein, ohne moderne Technologie – mit nichts – ein wahres menschliches Tier in der Wildnis zu sein. Wir haben unsere Fähigkeit verloren, so in der Natur zu leben, also müssen wir Technologien annehmen, die uns zu einem Touristen in der Natur machen, aber wenn wir alte Fähigkeiten wieder neu erlernen, können wir in die Natur gehen und eins mit dieser Umgebung werden – ein Teil von ihr werden, wir werden dann erst wieder menschlich.“

Die Bedeutung von Bushcraft heute

Die Geschichte zeigt uns heute, dass sich der Begriff „Bushcraft“ aus einer Schnittmenge aus drei unterschiedlichen Bereichen herleiten lässt. Jeder dieser Bereiche hat seinen Ursprung in der Kolonialzeit der Europäer.

  • militärisches Überlebenstraining (MST)
  • indigenes Wissen (IK)
  • Wildniserholung (WR)

Was ist Bushcraft? Das verdeutlicht diese Grafik.

Dieses Diagramm zeigt, dass Bushcraft im Zentrum einer komplexen Reihe von sich überschneidenden Themen steht. Bushcrafting ist also keine einzelne isolierte Bewegung. Die zeitgenössische Transformation vom militärischen zur modernen Auslegung wurde im Wesentlichen durch die Jugendbewegungen Seton‘s „Woodcraft“ geprägt, welche die Rückbesinnung zur Natur vermittelte.

Im Jahre 2014 wurde eine umfassende Studie (general bushcraft survey (GBS)) zu Bushcraft in den USA durchgeführt, die sehr aufschlussreich zeigt, wie die Menschen heute Bushcrafting verstehen und leben. Der Fragebogen wurde für einen Zeitraum von etwa 4 Monaten in den USA in sozialen Medien und in Foren bereitgestellt. Es nahmen 432 Menschen an der Umfrage teil. Die Befragten waren sich fast alle einig, dass ihre Bushcrafting-Praxis eine Beziehung zwischen ihnen und der natürlichen Welt herstellt, dass es die Eigenständigkeit in der Natur erhöht, dass es dem psychischen Wohlbefinden zugute kommt und dass es wichtig ist, diese traditionellen Lebenskompetenzen für die zukünftigen Generationen zu bewahren. So suchten die Praktizierenden „sich mehr mit der natürlichen Landschaft verbunden zu fühlen“, „Natur hautnah zu erleben“ und sich „weiter zu bilden und zu bereichern“. Es schien den Befragten weniger wichtig zu sein, in apokalyptischen Szenarien, wie Umweltkatastrophen oder im gesellschaftlichen Kollaps zu „überleben“. Dies zeigte einen Unterschied zur Logik der „Prepper“ und ihrer Überlebenskultur.

Es gab fast vollkommene Übereinstimmung, dass “der Mensch ein Teil der Natur ist und mit Geschick und Wissen im Einklang mit ihr leben kann”.

Diese Aussagen bekräftigen, dass die Wildniskompetenz ein zentrales Merkmal der Bushcraft-Praxis ist. Während andere „Benutzer“ der Landschaft in die Natur gehen, um zu jagen, angeln, wandern oder Kanu zu fahren, erlernen Bushcrafter die Kompetenz, die sie befähigt, mit einfachen Mitteln in der Natur zu existieren. Mit dieser Formel wird die natürliche Welt nicht zu einem Mittel zum Zweck, sondern ein Selbstzweck.

In den Ergebnissen der Umfrage gab es eine sehr hohe Übereinstimmung hinsichtlich der Notwendigkeit, praktische Fähigkeiten wieder zu erlernen, um selbständiger, körperlich leistungsfähiger und geschickter zu werden, um die Kompetenz zu besitzen, wieder in der Wildnis bestehen zu können.

Die Teilnehmer identifizierten sich stark mit der These, dass die praktische Anwendung und Vermittlung des Wissens in ihrem alltäglichen Leben notwendig ist, „wenn wir das Leben verstehen, beziehen, respektieren und schließlich schützen wollen. Desweiteren zeigt uns das traditionelle indigene Wissen einen Weg, die Natur direkter, sinnlicher, ganzheitlicher und lebendiger zu erleben“.

Die Umfrage zeigte die doppelte Entwicklung von internen persönlichen Eigenschaften, sowie von externen Fähigkeiten für das Leben in der Natur. Es gab fast vollkommene Übereinstimmung, dass „der Mensch ein Teil der Natur ist und mit Geschick und Wissen im Einklang mit ihr leben kann“.

Bushcrafting in der Pädagogik

Neue neurowissenschaftliche Erkenntnisse untermauern, was der Neurobiologe Gerald Hüther und der Pädagoge und Forscher Arno Stern seit Jahrzehnten lehren. Es gibt kein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS), es gibt nur ein „Naturdefizitsyndrom“. Richard Louv erweiterte dieses Wissen von Gerald Hüther und Arno Stern in seinem einflussreichen Buch „Last Child in the Woods (2005)“, und prägte den Begriff „Naturdefizitstörung“, um den menschlichen Preis der Trennung von der Natur zu beschreiben. Wir zahlen dies mit einer Verkümmerung der Sinne, Aufmerksamkeitsstörungen und der Zunahme von emotionalen und physischen Störungen.

Obwohl der Begriff Naturdefizitstörung sich nicht auf eine Krankheit bezog, schlug Louv ihn als eine Möglichkeit vor, über das Problem nachzudenken. Louvs Buch inspirierte die „No Child Left“ Bewegung in den USA. Diese fordert in Anbetracht der Entfremdung durch elektronische Geräte, dass Kinder wieder mehr an der natürlichen Welt teilhaben. Was Louv fordert, ist unstrukturiertes, freies und kreatives Spielen, das Partizipation und die Manipulation von Naturmaterialien beinhaltet. Pretty et al. fanden heraus, dass „Kinder, die in jungen Jahren in der Natur frei spielen können, als Erwachsene eher ein freies und kreatives Denkvermögen haben“ – der Grundstein für ein unabhängiges und glückliches Leben.

Bushcrafting fördert eine engere Beziehung zur Natur und lässt Raum zum kreativen Handeln und Spielen. Neue Lernmethoden wie die Wildnispädagogik, greifen fast alle Bereiche des Bushcrafting als Instrument auf, um Kindern das naturverbundene Spielen wieder zu ermöglichen und sie zu selbstbewussten Waldläufern werden zu lassen.

Quellen:

  • ‘Bushcraft’ and ‘Indigenous Knowledge’: transformations of a concept in the modern world – Doktorarbeit von Lisa Fenton
  • Bushcraft und Survival in Deutschland – Eine Befragung zu Tätigkeiten, Motivation und Natureinstellungen – Masterarbeit von Michael Koep

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